Chartreuse de la Verne – Ein Ort der inneren Einkehr ganz nah bei Saint-Tropez

Französische Riviera, Cannes, Nizza, Saint-Tropez. Wer denkt da nicht unmittelbar an Sonne, Sommerspaß, an Bars, Restaurants und Lachen? Für manch einen mag es aber auch beruhigend zu wissen sein, dass es in diesem Urlaubsparadies durchaus Stätten des Rückzugs, der Stille, der inneren Einkehr gibt. Einer dieser Orte und sogar ein besonders eindrucksvoller, ist die „Chartreuse de la Verne“, die sich zwischen den Orten Cogolin und Collobrières im Département Var befindet.

Dort, quasi im Hinterland von Saint-Tropez, liegt die ehemalige Kartause auf einem Hochplateau des Maurenmassivs ganz einsam mitten in einem Wald. Der Ausflug dahin lohnt sich und das nicht nur für Menschen, die mal eine kurze Auszeit vom Rummel an der Küste brauchen.

Äh – was ist eigentlich eine Kartause?

Literaturfreunde kennen wahrscheinlich den Roman „Die „Kartause von Parma“, den der französische Schriftsteller Stendhal im Jahr 1839 veröffentlicht hat. Allen anderen Zeitgenossen begegnet das Wort „Kartause“ dagegen heute eher selten. Kein Wunder. Als Kartause bezeichnet man ein Kloster des Kartäuserordens; der wiederum tritt aber in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht (mehr) in Erscheinung. In der Provence aber, genauer in der Chartreuse de la Verne, kann man diesem über tausend Jahre alten Orden näherkommen und eines seiner – von außen – eindrucksvollsten Klöster besuchen.

Kurvenreiche Anfahrt

Man erreicht das Kloster am besten mit dem Auto. Von Saint-Tropez aus geht es dafür zunächst in Richtung Grimaud, von dort aus weiter auf der Straße nach Collobrières. Schon diese Anfahrt ist ein Erlebnis. Der Weg führt durch das Maurenmassiv und die Straßen dort sind zwar gut ausgebaut, aber kurvenreich und eng. Tempo ist dort also kein Thema, dafür aber viele genießerische Momente mit tollen Ausblicken auf die Landschaft. Schließlich wird dann eine ausgeschilderte Abbiegung zur Kartause erreicht. Die kleine Straße, die auf den letzten Kilometern übrigens unbefestigt ist, ist meistens, aber nicht immer geöffnet. An hohen christlichen Feiertagen kann sie auch schon mal geschlossen sein. Am besten, man fragt vorher im örtlichen Fremdenverkehrsamt nach.

Wer es dann bis zu dem kleinen Parkplatz der Kartause geschafft hat, den erwartet ein monumentaler Anblick. Das Kloster, das sich auf einem über 400 Meter hohen Plateau im Wald fast zu verstecken scheint, ist von mächtigen Mauern umgeben. Alles hier ist auf Abschirmung von der Außenwelt bedacht und darauf, den Bewohnern ein kontemplatives, nach mittelalterlichen Ordensregeln ausgelegtes Leben zu ermöglichen. Aber keine Sorge, Besucher sind willkommen!

Ein Friedhof für 800 Mönche

Der Grundstein für die Chartreuse de la Verne ist im Jahre 1170 gelegt worden. Man wählte damals einen Platz aus, an dem bereits zuvor eine kleine, aber nicht mehr genutzte Priorei gestanden hatte. Die Mönche, die kurz darauf einzogen, waren fleißig und strebsam. Schon bald gehörten zu der Kartause über 3000 Hektar Land, die bewirtschaftet wurden. Doch Erfolg hat Neider und schafft Feinde. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts brannte die Kartause mindestens dreimal völlig ab, wurde aber anschließend immer wieder aufgebaut. Weder Protestanten noch weltliche Widersacher konnten den Kartäusermönchen in der Provence ihren Besitz streitig machen. Das hat erst die Französische Revolution geschafft. Die Mönche mussten vor den neuen Herren fliehen, die Chartreuse de le Verne fiel an den Staat.

Die Nation aber wusste ziemlich lange nicht wirklich etwas damit anzufangen. Erst im frühen 20. Jahrhundert wurde das Kloster als historisches Monument anerkannt. Dann dauerte es noch einmal 40 Jahre, bis sie mit der staatlichen Forstverwaltung in Frankreich einen offiziellen neuen Besitzer gefunden hatte. Weitere 25 Jahre gingen ins Land, bis sich ein privater Förderkreis gebildet hatte, der den Wiederaufbau und die Restaurierung der Kartause zum Ziel hatte. Zu jener Zeit bekam das Kloster auch wieder Bewohner. Heute leben dort sogenannte „Bethlehemschwestern“ und „Bethlehembrüder“. Kein Wunder, dass der offizielle Name ihrer Gemeinschaft, die in der Tradition des Kartäuserordens steht, meist abgekürzt wird. Der offizielle Name lautet „Monastische Familie von Bethlehem, der Aufnahme Mariens in den Himmel und des heiligen Bruno“.

Für ein paar Euro gewähren sie heute Einlass in das Kloster. Was gibt es dort zu sehen? Man hat die Räumlichkeiten eher schlicht wieder erbaut. Zu sehen sind vor allem die Wohn- und Arbeitsbereiche der einstigen Kartäuser. Dazu gehören etwa die frühere Bäckerei, eine Ölmühle und Vorratsräume. Aber auch eine kleine Kapelle und ein bescheidener Kreuzgang, der zwischen dem 12. Jahrhundert und der Französischen Revolution ständig genutzt, erweitert und verändert worden ist. Mit dem eindrucksvollen „Kreuzgang der Einsamkeit“ schließlich gelangen die Bewohner zum heutigen Herzstück der Klosteranlage. Er wird an einer Seite von den Wohn- und Schlafzellen der einstigen Mönche mit den angrenzenden Gärtchen begrenzt. Im Innenhof befindet sich neben einem Garten bis heute auch der Friedhof des Klosters. Hier haben über 800 Mönche aus sieben Jahrhunderten ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Chartreuse de la Verne in aller Kürze

  • Ehemaliges Kloster des Kartäuserordens
  • Landschaftlich reizvolle Anfahrt durch das Maurenmassiv
  • Imposante Anlage auf einem versteckten Plateau im Wald
  • Besichtigung der restaurierten Gebäudeteile ist möglich
  • Highlight ist der „Kreuzgang der Einsamkeit“