Aquädukt Pont du Gard – Eine alte Wasserleitung wird zur Sehenswürdigkeit

Kein Scherz: Es ist wirklich nur eine alte Wasserleitung, die in den Touristenbüros der Provence als eine der Hauptsehenswürdigkeiten gefeiert und unbedingt zum Besuch empfohlen wird. Und Recht haben sie, die Reiseexperten Südfrankreichs. Denn bei dem „Pont-du-Gard“ handelt es sich natürlich nicht um ein paar ausgediente rostige Rohre. Vielmehr geht es um einen ausgewachsenen Aquädukt aus der Römerzeit, über den einst die Bevölkerung von Nîmes mit frischem Wasser versorgt wurde.

Diese Aufgabe erfüllt das Aquädukt inzwischen zwar nicht mehr, einen Ausflug ist er aber dennoch auf alle Fälle wert. Denn der Pont-du-Gard ist eines der wichtigsten Brückenbauwerke überhaupt, die uns aus der Antike erhalten geblieben sind.

Tausend Mann und drei Jahre Schufterei

Der Pont du Gard ist ein römisches Aquädukt und wurde früher zur Wasserversorgung der Stadt Nîmes benutzt.

Der Pont du Gard ist ein römisches Aquädukt und wurde früher zur Wasserversorgung der Stadt Nîmes benutzt.

Drei Jahre Bauzeit und etwa tausend Männer waren nötig, um das imposante Aquädukt fertigzustellen. Man nimmt an, dass es überwiegend Sklaven und Kriegsgefangene des Römischen Reiches gewesen sind, die diese schwere Arbeit zu verrichten hatten. Obwohl die Wasserquelle nur etwa 20 Kilometer von Nîmes entfernt liegt – sie befindet sich in der Nähe von Uzès – musste eine Zuleitung von rund 50 Kilometer Länge gebaut werden. Das Terrain ist felsig, Umwege waren nötig, es mussten Tunnel und Kanäle gegraben werden. Zudem galt es, den Fluss Gard, der heute besser unter dem Namen Gardon bekannt ist, zu überbrücken. Genau dafür wurde das Aquädukt gebaut und daher hat er auch seinen Namen: Brücke (franz. pont) über den Gard.

Das schweißtreibende Projekt wurde etwa in der Mitte des ersten Jahrhunderts in Angriff genommen. Nîmes stand damals unter römischer Herrschaft und gehörte mitsamt seinen rund 20.000 Einwohnern zur Provinz „Gallia Narbonensis“. Die Herren aus dem fernen Rom sorgten gut für ihre Provinzen: Über den Aquädukt flossen nach der Fertigstellung jeden Tag rund 20.000 Kubikmeter frisches Wasser in die Stadt. Zumindest statistisch standen jedem Einwohner von Nîmes somit ein Kubikmeter oder umgerechnet tausend Liter Wasser zur Verfügung. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch pro Tag zwischen 120 und 150 Litern.

Die Bauarbeiter hatten sicherlich auch großen Durst. Ihre Werkzeuge waren durchaus modern, aber es gab natürlich noch keinen elektrischen Antrieb. Um zum Beispiel die Flaschenzüge und die Kräne in Gang zu setzen, mussten die Männer buchstäblich in die Tretmühle.

Bauingenieure ziehen bis heute den Hut

Bis heute zollen Bauingenieure ihren römischen Vorgängern höchsten Respekt für ihre Leistung. Gleichzeitig fragen sie sich, wie die Römer ihre exakten Berechnungen angestellt haben – das ist bis auf den heutigen Tag ungeklärt. Fest steht dagegen, das der Aquädukt auf seiner gesamten Länge ein durchschnittliches Gefälle von 24 Zentimetern pro Kilometer aufweist. Auf die Gesamtlänge von 50 Kilometern betrachtet, sind die Höhenunterschiede nie größer als zwölf Meter. Das Aquädukt selbst ist 49 Meter hoch und wurde auf drei Ebenen erbaut. Die untere Ebene umfasst sechs Bögen, ist sechs Meter breit, 142 Meter lang und 22 Meter hoch. Die mittlere Ebene wird aus elf Bögen gebildet, ist 241 Meter lang, vier Meter breit und 20 Meter hoch. Die dritte Ebene schließlich umfasst stolze 35 Bögen, ist 275 Meter lang, drei Meter breit und sieben Meter hoch.

Was aus dem Aquädukt wurde und wie er sich heute präsentiert

Mehrere hundert Jahre konnte das stolze Bauwerk seine Aufgabe erfüllen. Im 4. Jahrhundert jedoch trat ein Wandel ein. Die Instandhaltung des Aquädukts wurde vernachlässigt, Ablagerungen wurden nicht mehr entfernt. Mit der Zeit verstopfte der Wasserweg regelrecht, bis er schließlich im 9. Jahrhundert überhaupt nicht mehr funktionierte. Nun wurde er zum Teil sogar demontiert und diverse Steine wurde in anderen Projekten verbaut. Etwa ab dem Mittelalter und bis ins 18. Jahrhundert hinein fungierte der Aquädukt Pont-du-Gard dann als Straße. Spätestens dann erkannte man allerdings seine kulturhistorische Bedeutung: um den Aquädukt zu schonen wurde parallel zu ihm eine neue Straßenbrücke über den Gard gebaut.

In der Neuzeit trug die UNESCO entscheidend zur Wertschätzung des Bauwerks bei. Sie nahm den Aquädukt 1985 in ihr Weltkulturerbe auf. Wer die einstige „Wasserleitung“, die jeweils nur wenige Kilometer von Avignon und Nîmes entfernt liegt, besuchen möchte, findet eine gute Infrastruktur vor. Neben ausreichend Parkplätzen, einem Shop und einem Café gehört dazu vor allem ein Museum. Dort lassen sich seine Bauweise und seine Geschichte bestens nachvollziehen. Alles befindet sich nur einen kurzen Fußweg vom Aquädukt entfernt.

Der Aquädukt Pont-du-Gard in aller Kürze

  • Teilstück einer insgesamt 50 Kilometer langen Wasserleitung zur Versorgung der Stadt Nîmes
  • Das Aquädukt überspannt den Fluss Gardon bei Vers-Pont-du-Gard im Département Gard
  • Tausend Bauarbeiter brauchten drei Jahre für das Aquädukt
  • Täglich flossen 20.000 Kubikmeter Wasser nach Nîmes
  • Die maximalen Maße: 49 Meter hoch und 275 Meter lang
  • Liegt in Vers Pont-du-Gard- im Département Gard