Fontaine-de-Vaucluse – Ort eines beliebten Naturdenkmals

Wenn französische Verwaltungsbeamte den Begriff „Fontaine-de-Vaucluse“ gebrauchen, dann meinen sie eine Gemeinde im Département Vauclause in den Seealpen. Wenn aber Touristen denselben Begriff benutzen, dann geht es ausschließlich um die Hauptattraktion des Ortes, um die Quelle der Sorgue.

Der Fluss selbst ist zwar weniger berühmt als zum Beispiel, seine Quelle aber ist tatsächlich spektakulär anzuschauen und ein echtes Erlebnis. Sie liegt am Fuß einer etwa 230 Meter hohen, rauen Felswand und ähnelt nicht selten einem Wasserfall. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum in der Hochsaison manchmal wahre Heerscharen zu diesem Naturdenkmal pilgern.

Diese Wasser steigen aus tiefsten Tiefen empor

Einheimische ebenso wie Wissenschaftler haben immer schon geahnt, dass die Quelle, die für das Auge wie ein See wirkt, tief, sehr tief ist. Wie tief, das blieb sogar für den berühmten französischen Taucher und Meeresforscher Jean-Jaques Cousteau ein Rätsel. Ihm und seinem Team gelang es allerdings als ersten, das unterirdische Seen- und Höhlensystem, das von der Quelle gespeist wird, zu untersuchen und zu kartografieren. Heute glaubt man zu wissen, dass es im Quellbecken an der tiefsten Stelle 308 Meter hinabgeht – mindestens. Aber Vorsicht, es kann durchaus auch vorkommen, dass das oberflächliche Becken der Quelle trocken ist. Dann bahnt sich der Fluss plötzlich ein paar hundert Meter weiter seinen Weg ans Tageslicht. Kein Wunder also, dass Reisende in der Provence, aber auch Franzosen aus der Umgebung immer wieder zur Quelle kommen, um ihren aktuellen Stand zu prüfen und meistens eben auch zu bewundern. Manchmal werden sogar Wetten über den Wasserstand und seine Tiefe abgeschlossen. Angeblich kann man den nämlich an der Farbe des Wassers erkennen.

Ein wetterwendisches Unterfangen

Hört sich das etwas verwirrend an? Mal kein Wasser, dann wieder ein rauschender Wasserfall? Wie man die Quelle Fontaine-de-Vaucluse erlebt, hängt tatsächlich extrem von den Wetterverhältnissen und den Niederschlagsmengen statt. Zur Zeit der Schneeschmelze etwa sausen pro Sekunde zwischen 20 und 100 (!) Kubikmeter Wasser in das Quellbecken und füllen die Sorgue somit kräftig auf. Es ist ein echtes Naturschauspiel, wenn diese Wassermengen aus dem See geradezu herauszubrodeln scheinen. An anderen Tagen freilich kann die Wasseroberfläche spiegelglatt und mucksmäuschenstill daliegen…

Was keinem Wechsel unterliegt, sondern wohl seit Urzeiten konstant geblieben ist, ist das unterirdische Höhlensystem, das die Quelle speist. Mindestens 1100 Quadratmeter groß soll dieses von der Oberfläche aus unsichtbare Becken sein, in das die Wasser der drei Berge und Gebirge Mont Ventoux, Monts de Vaucluse und Montagne de Lure hineinfließen.

Wie kommt man hin und was gibt es sonst noch zu sehen?

Wer neugierig geworden ist und dieses Naturdenkmal, das in wirklich keinem Reiseführer fehlt, besuchen möchte, der biegt auf der Autobahn A7 an der Ausfahrt „Cavaillon“ ab. Von dort aus ist das Dorf Fontaine-de-Vaucluse prima ausgeschildert. Einmal angekommen, kann das Auto am Ortsrand – gebührenpflichtig – abgestellt werden. Dann geht es per pedes weiter zur Quelle. Abgesehen von den vielen Souvenirgeschäften links und rechts ist das ein schöner Weg; auf dem Felsen steht eine Burgruine, man kommt an römischen Ausgrabungsstücken vorbei und bewegt sich in einer insgesamt wirklich wunderschönen Landschaft. Das fand im 14. Jahrhundert auch schon der berühmte italienische Dichter Petrarca, der in Fontaine-la-Vaucluse eine Weile gelebt hat. Sein ehemaliges Wohnhaus, in dem er übrigens auch über die Quelle geschrieben hat, steht noch und beherbergt heute ein Museum.

Fontaine-de-Vaucluse in aller Kürze

  • Die Quelle der Sorgue im gleichnamigen Ort gilt als eines der größten Naturdenkmäler Frankreichs
  • Je nach Wetterlage verändert sich das Quellbecken ständig
  • Die Quelle wird von den Wassern dreier Berge bzw. Gebirge aus unterirdischen Höhlen gespeist
  • Anfahrt über die Autobahn A7, Abfahrt Cavaillon