Abtei Montmajour – Wechselvolle Geschichte(n) mit teils unchristlichen Ursachen

Jahrhundertealte Abteien, die das unvermeidliche Auf und Ab der Geschichte widerspiegeln, gibt es fast überall in Europa. Aber eine Klosteranlage, die darüber hinaus auch noch durch Intrigen am Hof von Versailles beeinflusst wurde und Anfang des 21. Jahrhunderts auch noch für eine kleine Kunstsensation gesorgt hat, die ist eher selten. Die Abtei Montmajour in der Provence ist eine solche Anlage. Sie liegt im französischen Département Bouches-du-Rhône, nur wenige Kilometer nordöstlich von Arles und sie ist wirklich unbedingt einen Besuch wert.

Rund 700 Jahre währte allein die Baugeschichte der Abtei, die ursprünglich auf einer kleinen Insel gestanden hat. Umgeben von Sümpfen entwickelten die Klosterbrüder des Benediktinerordens allerdings schnell den Ehrgeiz, ihre Umgebung trockenzulegen. Das ist ihnen gelungen, die einstige Insel gehört inzwischen längst zum Festland. Kräftig geholfen dabei hat die Tatsache, dass die Abtei im Jahr 1030 von der Kirche das Recht erhielt, reuigen Sündern Ablass zu erteilen. Die Abtei des Heiligen Peter, „L’Abbaye de Sainte Pierre“, wie Montmajour damals hieß, wurde schnell zu einer viel besuchten Pilgerstätte. Vergebung für Sünden wurde seinerzeit nur gegen Bares gewährt – das Kloster boomte.

Eine Kirchenwand wird zur Grabstätte

Vor diesem Aufschwung hatte die Zukunft eher düster ausgesehen. König Konrad III. von Burgund, der den Beinamen „der Friedfertige“ trug, hatte das Sumpfgelände eigentlich als öffentlichen Friedhof vorgesehen. Doch die Kirche durchkreuzte seine Pläne und verkaufte den Grund an eine adelige Dame, die ihn wiederum den Benediktinern vermachte. 1016 wurde dort das erste Kirchengebäude errichtet. Aus dieser Zeit ist bis heute die Einsiedelei (auch Hermitage genannt) erhalten, in der die Kapelle des Sankt Peter liegt.

Nach der Trockenlegung der Sümpfe und dem florierenden Geschäft mit dem Ablass entwickelte sich die Abtei Montmajour rasant und hatte bald über 50 kleinere Prioritäten unter sich. Das ist einer der Gründe, warum sie bald zur Grablege für die Grafen der Provence auserkoren wurde. Erhalten und besonders sehenswert sind die Gräber von Wilhelm II. Graf der Provence, der 1018 starb. Auch sein Sohn, Gottfried I., Graf von Arles und Markgraf der Provence, ruht dort, ebenso wie der Abt Jean Hugolin de Saint-Rémy, der 1430 starb. Ihre Gräber sind in die Wände der Kirche eingelassen worden.

Wehrhaft und fast ein wenig abweisend wirkt die Anlage, wenn Besucher sich ihr nähern. Das liegt nicht zuletzt an dem dominanten Wachtturm, dem „Tour de l’Abbé“, der im Jahr 1369 fertiggestellt wurde. Er beschützt die Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert, zu der die Kirche Notre-Dame, die Kapelle Sainte-Croix und ein imposanter Kreuzgang gehören. Wer alte Kapitelle sehen will, der muss nach Arles fahren. Dort sind sie im Museum „Musée de l‘ Arles et de la Provence antique“ zu bewundern.

Was Vincent van Gogh mit Montmajour zu tun hat

Verglichen mit dem Rest der Abtei ist der Klosterneubau aus dem 18. Jahrhundert recht jung. Allerdings ist er unvollendet geblieben – und das aus bemerkenswerten Gründen. Begonnen wurde der Neubau im Jahr 1703. Man war schon recht weit damit vorangekommen, als 1726 ein Brand das Bauwerk stark beschädigte und die Fertigstellung verhinderte. Nicht lange danach gab es auch noch starken politischen Gegenwind. Louis de Rohan, der als Kardinal und Erzbischof von Straßburg auch für Montmajour zuständig war, war in die sogenannte Halsbandaffäre verwickelt. Es ging dabei um ein sündhaft teures Collier mit riesigen Diamanten, das für Königin Marie Antoinette gedacht war und zum Zentrum einer großen Betrugsaffäre wurde. König Ludwig XVI. war darüber schließlich so erbost, dass er die Abtei 1786 wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution schließen ließ.

Die Abtei Montmajour war danach quasi dem Verfall ausgesetzt. Sie wurde mehrfach verkauft, ohne dass sich die neuen Besitzer groß um ihre Instandhaltung kümmerten. Erst eine Initiative des französischen Malers Jean-Jacques Réattu, der den Wachturm gekauft hatte, führte im 19. Jahrhundert schließlich zu einer Kehrtwende. Statt Abbruch und Zerstörung lautete die Agenda nun Restaurierung und Renovierung. Die Stadt Arles nahm sich der Sache an und kaufte von über 20 unterschiedlichen Besitzern nach und nach alles zurück, was vom Kloster übriggeblieben war. Im Zweiten Weltkrieg gab es dann das nächste Desaster. Die deutsche Armee nutzte die Klosterkirche als Waffenlager, es kam zu einer Explosion und nachfolgend zu einem Feuer.

Heute erwartet die Abtei ihre Besucher vollständig renoviert und mit dem Status eines offiziellen historischen Monuments. Einer, der sie noch als Ruine kennen- und sehr offensichtlich schätzen gelernt hat, war übrigens kein Geringerer als der niederländische Maler Vincent van Gogh. Anfang des Jahrzehnts wurde ein Bild von ihm wiederentdeckt, dass man lange für eine Fälschung gehalten hatte. Nach einer aufwändigen, über zwei Jahre dauernden Prüfung auf Herz und Nieren stellte sich der „Sonnenuntergang bei Montmajour“ aber als echter Van Gogh heraus. Teile der Abtei sind dabei im Hintergrund zu erkennen. Vincent van Gogh hatte das Gemälde in zwei Briefen an seinen Bruder Theo erwähnt, es war aber mehr als hundert Jahre lang nicht aufgetaucht.

Abtei Montmajour in aller Kürze

  • Liegt wenige Kilometer nordöstlich von Arles
  • Im 10. Jahrhundert als Einsiedelei von Benediktinern gegründet
  • Schnelle und nachhaltige Entwicklung durch den Ablasshandel
  • Wechselvolle Geschichte über 800 Jahre
  • Abt war in die Halsbandaffäre um Königin Marie Antoinette verwickelt
  • Wiederaufbau und Renovierung nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Abteiruine ist auf einem Gemälde von Vincent van Gogh verewigt
  • Ganzjährig geöffnet, aber montags geschlossen
  • Eintritt: Sechs Euro pro Person