Vallée des Merveilles – 4.000 Jahre alte Felszeichnungen

Das „Vallée des Merveilles“ ist ein Hochtal innerhalb des Mercantour-Nationalparks. Der auf Deutsch „Tal der Wunder“ genannte Ort liegt in den französischen Seealpen.

Vallée des Merveilles

Dass die Seealpen einen ausgesprochen unaufgeregten Charme haben, das hat sich seit Langem herumgesprochen. Die Cote d’Azur mit ihren schicken Badeorten, mit den Schönen und Reichen, mit dem Trubel von Nizza und Saint Tropez mag nur rund 60 oder 70 Kilometer weit entfernt sein. Doch wer hier in den Bergen wandert und in den malerischen kleinen Ortschaften Pause macht oder sogar logiert, der fühlt sich in eine andere Welt versetzt. Hier sind keine Pantolettchen oder High Heel angesagt, hier trägt man Wanderschuhe. Und die Touristen, die hierher kommen, wollen nicht gesehen werden, sondern sie wollen schauen und staunen, was die Natur ihnen zu bieten hat. Ganz besonders eindrucksvoll gelingt das im Vallée des Merveilles, im Tal der Wunder. Hier, innerhalb des Mercantour-Nationalparks, findet der Wanderer nicht nur die Ruhe einer kargen Berglandschaft, sondern hier lässt auch die Vergangenheit der Menschheit grüßen. Bauern und Schäfer sollen es gewesen sein, die im Tal der Wunder vor rund 4000 Jahren die Felszeichnungen angefertigt haben, zu denen bis heute fast alle Touristen pilgern, die in den Seealpen unterwegs sind.

40.000 Zeichnungen aus dem Alltagsleben

Um die weltberühmten Felsgravuren zu besuchen, ist der Ort Saint-Dalmas de Tende ein guter Ausgangspunkt. Er liegt nicht weit vom Mont Bégo entfernt, der das Ziel der Wanderung ist. Der Berg hat immer schon die Fantasie der Menschen beschäftigt und bis heute ranken sich viele Mythen und Sagen um ihn. Wer einigermaßen fit ist und sich einen guten Proviant eingepackt hat, der wird es von Saint-Dalmas de Tende zum Fuß des Berges und seinen Seen schaffen. Der Anblick der Zeichnungen, die einerseits Stiere und Hörner darstellen, andererseits Werkzeuge und Gespanne, die man zum Ackerbau gebraucht hat, werden für jede Anstrengung entschädigen. Der Mont Bégo mag sich zwar relativ rau, karg und fast ohne Vegetation präsentieren, doch seine kulturellen Zeugnisse sind schlichtweg überwältigend.

Was hat den Künstlern aus der Vorzeit als „Leinwand“ gedient? Es waren Felsflächen, die die letzte Eiszeit glatt poliert hat, die man damals für die Gravuren nutzte. Diverse lineare Ritzungen gehen „nur“ in die gallo-römische Epoche von vor ca. 2000 Jahren zurück. Die wesentlich älteren Zeichnungen dagegen stammen aus der frühen Bronzezeit. Zwischen 1800 und 1500 vor Christus, so die Wissenschaftler, wurden Werkzeuge aus Quarzit und Feuerstein benutzt, um Gegenstände aus dem Alltag in den Felswänden zu verewigen. Die fein säuberlich eingemeißelten Vertiefungen haben Durchmesser zwischen einem und fünf Millimetern.

Als dritte Motivgruppe finden sich im Gestein auch Symbole eines Stierkults. Auch der Berg selbst wurde übrigens lange als eine Art Gottheit verehrt, die ihren Zorn in Form von Sturzbächen und Unwettern über die Menschen ergossen hat.

Heute hat sich diese vermeintliche Gottheit allerdings weitestgehend beruhigt. Sie nimmt es nicht einmal übel, wenn Besucher die Anstrengungen des Aufstiegs nicht auf sich nehmen wollen oder können. Dann gibt es auch geführte Autowanderungen, auf denen man die Zeichnungen vom Jeep aus bewundern kann.

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Nachbereitung im Museum

Vallée des Merveilles

Einen so eindrucksvollen Besuch möchte der eine oder andere sicher vertiefen und sich zudem intensiver mit den Zeichnungen und dem, was man heute über sie weiß, beschäftigen. Gelegenheit dazu bietet das Musée der Merveilles in Tenda. Die kleine Stadt kann man übrigens sowohl vom italienischen Piemont als auch vom französischen Nizza aus mit der Tendabahn erreichen. Allein die Eisenbahnfahrt auf dieser wirklich einmaligen Bergstrecke ist die Reise wert.

Obwohl die Felsgravuren im Vallée des Merveilles bereits erstmals im 17. Jahrhundert schriftlich erwähnt wurden, begann ihre systematische Erforschung erst im späten 19. Jahrhundert durch den Briten Clarence Bicknell. Später machte sich der Italiener Carlo Conti um die Katalogisierung und Kartierung der Zeichnungen verdient.

Die Seealpen als Ferienregion

Die Seealpen sind nicht nur wegen des Tals der Wunder ein beliebtes Feriengebiet. Wer nur etwa zehn, 20 Kilometer von der trubeligen Mittelmeerküste landeinwärts fährt, wird bereits einen himmelweiten Unterschied feststellen. Das Tempo wird gemächlicher, die Luft frischer, die Häuser einfacher – ohne dass sie dabei an Charme verlieren. In den kleinen Orten und Städten der Seealpen lässt sich sowohl auf italienischer als auch auf französischer Seite geruhsam und vergleichsweise preiswert Urlaub machen. Wanderwege und viele andere Outdoor-Aktivitäten laden zu Fitness und Spaß mit der ganzen Familie ein. Nizza, St. Tropez und San Remo können trotzdem besucht werden – auf einem schicken Tagesausflug.