Wasserschloss in Tarascon – Mittelalterliche Grüße aus einer echten Trutzburg

Wehrhaft und gleichzeitig höchst romantisch liegt es da, das Wasserschloss von Tarascon, einem kleinen Ort zwischen Avignon und Arles. Für die scheinbar gegensätzlichen Eindrücke gibt es gute Gründe. Wehrhaft und trutzig wirkt das Schloss vor allem, weil es die kompakten Baumerkmale des späten Mittelalters aufweist.

Auch die Tatsache, dass die Pariser Bastille in Teilen das Vorbild der Baumeister gewesen ist, trägt viel dazu bei. Für das romantische Element sorgt, jedenfalls in heutiger Zeit, die Lage direkt am Wasser. Die Rhône bildet die erfrischende Kulisse, vor der sich das Schloss, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde, eindrucksvoll erhebt. Für Touristen ist das „Château de Roi René“, so die französische Bezeichnung, nur über eine Brücke erreichbar. Sie spannt sich über den Stadtgraben, unmittelbar dahinter liegt das bis zu 45 Meter hohe Schloss. Wer mag, kann hier nun mehrere hoch interessante Stunden verbringen. Von der Terrasse auf dem Dach aus bieten sich wirklich schöne Aussichten ins Tal der Rhône und weit darüber hinaus in die Provence hinein. Wer das Glück hat, an einem klaren Tag zu kommen, der kann bis nach Arles gucken. Das Château de Roi René gilt als eines der best erhaltenen mittelalterlichen Schlösser in Frankreich, wenn nicht sogar in ganz Europa. Im Inneren warten dann über 30 Räume darauf, mit ihrer Ausstattung und ihrer Geschichte entdeckt zu werden. Ein Höhepunkt dabei ist die Apotheke des einstigen St.-Niclas-Hospitals.

Etwas Geschichte muss bei so einem Gebäude natürlich sein

Konzipiert und erbaut wurde das Wasserschloss zwischen 1400 und 1435 von den Prinzen von Anjou. Kurz vor der Vollendung starb der letzte Bauherr und das Schloss fiel im Jahr 1434 an König René I., nach dem es bis heute benannt ist. Immerhin ließ René noch Erweiterungen und Verbesserungen vornehmen. Er nutzte das Wasserschloss sowohl als Wohnort als auch für militärische Zwecke; es diente ihm als westliche Grenzbefestigung der Provence. Diese strategische Bedeutung behielt das Schloss allerdings nicht allzu lang. Es fiel an König Ludwig XI. und lag somit irgendwann mitten in Frankreich. Dennoch wurde das Wasserschloss von Tarascon 1652 noch einmal zum Schauplatz von kriegerischen Angriffs; die Spuren der Kanoneneinschläge kann man noch in den dicken Mauern sehen.

Vom 18. Jahrhundert bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein fungierte das Wasserschloss dann wie sein bauliches Vorbild in Paris – als Staatsgefängnis. Aus Zimmern wurden Zellen und bis heute künden Graffitis von den Gefühlen und Gedanken der Gefangenen. 1926 hatte das Schloss als Gefängnis ausgedient. Der Staat kaufte und renovierte es und stellte es schließlich unter Denkmalschutz. Heute ist das Wasserschloss im Besitz der kleinen Stadt Tarascon.

Ein Rundgang durch das Schloss

Es lohnt sich, sich für den Rundgang durch das Schloss etwa anderthalb bis zwei Stunden Zeit zu nehmen. Die Räume, die besichtigt werden können, erstrecken sich über drei Stockwerke und waren einst sowohl für öffentliche Zwecke als auch für den privaten Bedarf der Schlossherren gedacht. Niedrige Zimmerchen mit Balkendecken wechseln sich mit extrem hohen und reich dekorierten Sälen ab. Dazwischen Wendeltreppen, Erker, kleine Balkone und Fenster mit Aussicht. Möbel, Teppiche und andere Ausstattungsgegenstände darf man allerdings nicht erwarten. Sie sind über die Jahrhunderte leider alle verloren gegangen. Ein echter Höhepunkt ist aber die historische Apotheke des Schlosses. Von Pillendosen über Apothekergläser bis hin zu medizinischen Mix- und Messgeräten gibt es hier viel zu bestaunen.

Das Wasserschloss Tarascon in alle Kürze

  • Tarascon liegt zwischen Avignon und Arles in der Provence
  • Das mittelalterliche Wasserschloss befindet sich direkt am Fluss Rhône
  • Wunderbare Aussicht von der Dachterrasse auf das Rhône-Tal und weit in die Provence hinein
  • Schlossrundgang mit 30 Sälen und Zimmern
  • Historische Schloss-Apotheke mit vielen medizinischen Exponaten