Roya – Ein Fluss mit doppelter Staatsbürgerschaft

Die 59 Kilometer lange Roya, in Italien Roia genannt, entspringt und mündet im Grenzbereich zwischen Frankreich und Italien in den Seealpen.

Rund um Breil-sur-Roya steigen die Seealpen empor, welche Frankreich, Italien und das Fürstentum Monaco verbinden.

Rund um Breil-sur-Roya steigen die Seealpen empor, welche Frankreich, Italien und das Fürstentum Monaco verbinden.

Dass lange Flüsse unterschiedliche Länder durchfließen, das haben wir auf der Karte oder vielleicht auch in der Realität schon erlebt – eventuell während einer Flusskreuzfahrt auf der Donau? Dass aber auch kurze Flüsschen dieses Kunststück hinbekommen, das ist eher selten. Ein interessantes Beispiel dafür liefert der Grenzbereich zwischen Frankreich und Italien in den Seealpen. Dort entspringt und mündet die Roya – so der französische Name – oder die Roia. So nennen die Italiener den Wasserlauf. Ganze 59 Kilometer ist die Roya/Roia lang. Langweilig wird es an ihren Ufern nie, teilweise macht sie sich nützlich und zum Teil bietet der Fluss sogar sehr einladende Möglichkeiten zum Wassersport. Schön anzusehen ist er sowieso auf der ganzen Länge.

Von der Quelle bis zur Mündung

Die Quelle der Roya liegt in den französischen Seealpen östlich des Col de Tende oder Colle di Tenda, wie die italienischen Nachbarn das Gebiet nennen. Gleich zu Beginn wird es für die Roya malerisch. Ihr oberer Flusslauf durchquert nämlich den französischen Nationalpark Mercantour, der auch für Touristen ein attraktiver Anziehungspunkt ist. Da die Roya schon sehr früh ein starkes Gefälle hat, wird sie in ihrem ersten Drittel von Wasserkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt. Etwa auf Höhe der (immer noch französischen) Ortschaft Breil-sur-Roya wird es dann ruhiger um den Fluss, der dort seinen Mittellauf erreicht hat. Jetzt wird das Wasser recht gleichmäßig geführt. Da die Seealpen ein beliebtes Urlaubsgebiet sind, bietet sich die Roya jetzt zum Kajak fahren und Rafting an.

Das sollte genutzt werden, denn schon bald verengt sich der Fluss in Gebirgsschluchten und mit dem Sport ist es dann vorbei. An einigen Stellen ist allenfalls noch Wassertreten angesagt. Den Pfarrer Kneipp würde es sicher freuen. Bei Fanghetto schließlich ist die Roya in Italien angekommen und wird offiziell zur Roia. Nun fließt sie durch die Provinz Imperia und mündet bei Ventimiglia schließlich in das Mittelmeer.

Links und rechts am Ufer

Diese Brücke, die sich zugegebenermaßen nicht in Bestform präsentiert, führt im italienischen Fanghetto über die Roya.

Diese Brücke, die sich zugegebenermaßen nicht in Bestform präsentiert, führt im italienischen Fanghetto über die Roya.

Mit Superlativen wie der Nil oder der Amazonas kann die kleine Roya/Roia zwar nicht aufwarten. Aber auch sie hat einiges in petto, was nicht alltäglich ist und sicher nicht jedem Fluss widerfährt. Die Rede ist natürlich von der Tendabahn. Diese abenteuerliche Eisenbahnstrecke verläuft ebenfalls im Grenzgebiet von Frankreich und Italien und verbindet das Piemont entweder mit Ventimiglia oder mit Nizza; es kommt halt drauf an, welche Streckenführung man wählt. Die Strecke teilt sich übrigens am Bahnhof von Breil-sur-Roya. Unterwegs findet sich der Reisende nicht nur in zahllosen Tunneln wieder, sondern immer mal wieder auch an den Ufern der Roya/Roia. Die Fahrt kann beliebig oft unterbrochen werden, das sollte man nutzen. Auf der Strecke gibt es eine große Anzahl sehenswerter Viadukte und Brücken.

Unbedingt einen Besuch wert ist der Nationalpark Mercantour. Hier kann man wandern, klettern und die südlichsten Dreitausender- Gipfel besteigen, die die Alpen zu bieten haben. Atemberaubende Ausblicke auf das Mittelmeer gehören hier zu einer Bergtour natürlich immer dazu.