Neue EU-Regel könnte Lavendel-Feldern ein Ende bereiten

Die Lavendelbauern der Provence fürchten um ihre Existenz. Eine neue EU-Regel verlangt Warnhinweise bei chemischen Giften, welche auch im Lavendelöl enthalten sein könnten.

Die Lavendelbauern der Provence fürchten um ihre Existenz. Eine neue EU-Regel verlangt Warnhinweise bei chemischen Giften, welche auch im Lavendelöl enthalten sein könnten.

Bereits vor wenigen Wochen berichteten wir von einer Gefahr für die Lavendelfelder der Provence. Leider müssen wir in diesem Artikel erneut von einer Gefahr für die berühmten lilafarbigen Felder berichten. Diesmal sind allerdings keine Zikaden dafür verantwortlich, vielmehr macht die EU den Liebhabern des Lavendels eventuell einen dicken Strich durch die Rechnung.

Landwirte wehren sich mit Protestschildern

Eine neue EU-Regel, die 2018 in Kraft treten soll, verlangt für Lavendelprodukte Warnhinweise wie bei chemischen Giften. Die Lavendelbauern gehen auf die Barrikaden und wehren sich mit Protestschildern. „Lavendel ist kein chemisches Produkt!“ oder „Nein zur REACH-Regelung!“ steht auf den roten und mit einem Ausrufezeichen gekennzeichneten Schildern. REACH ist die Europäische Chemikalienverordnung und steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, also für die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Die REACH-Direktive geht davon aus, dass im Lavendelöl Stoffe enthalten sind, die als gesundheitsgefährdende Chemikalien anzusehen sind.

1.500 Anbaubetriebe von Lavendelöl bangen um ihre Existenz

Demnach müssten Öl-Destillerien ab 2018 wie Chemiewerke kontrolliert werden. Schon jetzt fürchten die Hersteller des kostbaren Öls steigende Kosten. Auch könnten die Warnhinweise Verbraucher abschrecken. Außerdem ist der Verlust der Parfümindustrie eine Angst, welche die Hersteller haben. Denn schließlich nutzen viele Hersteller von Düften das Lavendelöl. Ebenfalls ist das Öl ein fester Bestandteil in der Medizin. Für die Provence kein einfaches Unterfangen: Immerhin 1.500 Anbaubetriebe von Lavendelöl zählt der Südosten Frankreichs. Blaues Gold wird es in der Provence genannt. Schaut man auf den Preis, so ist dies gerechtfertigt. Bis zu hundert Euro bringt ein Kilo.

Der Verband der Hersteller, APAL, wehrt sich gegen die neuen EU-Regeln. „Lavendel wird seit Tausenden Jahren verwendet„, sagt Ehrenpräsident Francis Vidal. „Wir haben noch nie von einem ernsthaften Problem gehört. Im Gegenteil: Lavendelöl hat Zehntausende Leben gerettet.“ Vidal geht davon aus, dass die Plantagen nach Eintritt der EU-Regel in kürzester Zeit ruiniert sind. Vidals Verband hat eine Online-Petition erstellt und seine Bedenken an Präsident François Hollande und andere Politiker übermittelt. Seit Jahrhunderten kultivieren Landwirte die Pflanze in der Provence. Ist bald Schluss damit?

8. September 2014