Orange – das alte Werk der Römer

Orange war für uns viele Jahre eine Art Meilenstein auf dem Weg in den Urlaub. Aber wie das so ist, auf dem Weg in den Urlaub – man fährt halt einfach dran vorbei. Warum wir es erst im 10. Südfrankreichurlaub geschafft haben, diese schöne Stadt zu besichtigen, wird sich uns wohl nie erschließen.

Theater

Nun aber sind wir endlich da gewesen und sind mehr als beeindruckt – wir sind verliebt in diese Stadt. Insgeheim beneiden wir sogar die rund 30.000 Einwohner, die hier ihr Zuhause haben. Was macht die Faszination dieser Stadt aus? Zum Beispiel die Tatsache dass die Römer hier, wie an so vielen Stellen der Provence, unübersehbare Spuren hinterlassen haben. Ein hervorragend erhaltenes Theater lädt zum Besichtigen ein; dieses prachtvolle Bauwerk lässt den Glanz früherer Tage erahnen. „Frühere Tage“ ist dabei übrigens keine Floskel. Das Römische Theater von orange wurde im 1. Jahrhundert nach Christus erbaut und gilt bis heute als eine der am besten erhaltenen antiken Bühnen auf der ganzen Welt.

Und das, obwohl man mit dem Bau nicht gerade zimperlich umging, als das Römische Reich sich im Niedergang befand. Mal benutzte man es als Steinbruch, um Häuser aus seinem Baumaterial zu errichten, mal – in der Französischen Revolution zum Beispiel – wurden hier politische Gegner eingekerkert. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde unter der Aufsicht des französischen Architekten Auguste Caristie damit begonnen, das Theater so weit es ging zu restaurieren und den Rest kurzerhand zu erneuern. Heute finden hier vor allem im Sommer wieder Konzerte und Theateraufführungen statt. Es lohnt sich, ein Ticket zu kaufen und eine Oper oder ein Konzert unter freiem Himmel zu genießen.

Kaiser Augustus und der auswechselbare Kopf

Eine unvollendete Statue von Kaiser Augustus, (die wegen der kurzen Halbwertzeiten römischer Kaiser mit auswechselbarem Kopf ausgestattet ist) wacht über alldem. Die Bogengänge im Inneren, wo sich Tageslicht und Kunstlicht eigenwillig mischen, sind wie ein kleines Labyrinth – ein Muss für jeden Besuch in Orange.

Das gilt auch für den Stadtgründungsbogen, der ein wenig abseits an der Straße nach Lyon zu finden ist und auch noch sehr gut erhalten ist. Das Monumentaltor ist mit drei imposanten Bögen ausgestattet und beeindruckt bis heute durch seine Größe. 19 Meter lang, 18 Meter hoch und acht Meter breit – gut, dass dieser Bogen mindestens 2000 Jahre überlebt hat. Sonst hätte man solche Dimensionen vielleicht als pure Angeberei von Geschichtsschreibern abgetan. Ähnlich wie beim Theater kam es übrigens auch hier erst im 19. Jahrhundert zu umfangreichen Restaurierungsarbeiten, nachdem der Bogen zuvor zu einem Festungsturm umgebaut worden war. Sowohl der Bogen als auch das Römische sind 1981 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.

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Geschichte, wohin man sieht

In Orange begegnet man der Geschichte zwar auf Schritt und Tritt, das Alltagsleben in der Gegenwart ist aber auch nicht zu verachten. Besonders quirlig und lebendig ist der Donnerstag; am Donnerstag ist Markttag in Orange. Nicht nur die Einheimischen kommen dann zum Einkaufen. Auch die Gäste der Stadt freuen sich an den frischen Waren der Region, allen voran an dem aromatischen Obst und Gemüse, das hier angebaut wird. Ein tolles Mitbringsel, um den Geschmack der Provence mit nach Hause zu nehmen, sind die typischen getrockneten Kräutermischungen. Sie machen später am heimischen Herd aus einer einfachen Spaghetti Bolognese, eine leckere Urlaubserinnerung.

Apropos Obst und Gemüse. Der Name Orange hat nichts mit der gleichnamigen Frucht zu tun. Tatsächlich wurde die Stadt nach dem Wassergott Arausio benannt, dessen Name über die Jahrtausende immer undeutlicher und lautmalerischer ausgesprochen wurde, bis man schließlich irgendwann bei „Orange“ landete. Es war auf jeden Fall nicht unser letzter Besuch in dieser schönen Stadt!