Nîmes – Die italienischste französische Stadt

Ja, sind wir hier denn in Italien? Wer das erste Mal nach Nîmes kommt oder wer Nîmes überfliegt, der könnte meinen, sich im Land geirrt zu haben. Zu eindrucksvoll und dominant das Oval der Arena in der Stadtmitte, zu typisch antik römisch die gesamte Anlage der Innenstadt.

Nîmes

Aber nein, niemand hat sich geirrt. Nîmes liegt eindeutig in Frankreich, aber es kann den Einfluss, den die Römer bei der Stadtplanung gehabt haben, bis heute nicht verbergen. Und warum sollte es das auch? Es sind ja genau diese Monumente, die Nîmes zu einer der interessantesten Städte Südfrankreichs für Reisende machen. Dass darüber hinaus die Lage in der schönen Provence und im Languedoc der Stadt ihre unverwechselbare Lebensart beschert, schadet ihrer Beliebtheit natürlich auch nicht. Was für eine Mischung! An Nîmes sollte man wirklich auf keinen Fall einfach an der Autobahn vorbeifahren.

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Staunen, wo einst die Gladiatoren kämpften

Wo genau liegt nun dieses kleine Juwel historischer Städtebaukunst? Grob gesagt zwischen dem Mittelmeer und dem Höhenzug der Cevennen; von hier aus kommt also zumindest landschaftlich so gut wie jeder Reisetyp auf seine Kosten. Doch erst einmal sollte man die touristischen Highlights der Stadt selbst erkunden. Für den ersten Besuch bietet sich auf jeden Fall die Arena. Rund 24.000 Besucher konnten hier im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt die wilden Kämpfe der Gladiatoren verfolgen. Das Bauwerk gilt bis heute als eines der besterhaltenen Monumente aus der Römerzeit überhaupt. Es hat allerdings nicht durchgehend als Sport- und Unterhaltungsarena gedient. Nachdem die Westgoten Nîmes erobert hatten, war es vorbei mit Brot und Spielen. Die neuen Machthaber verwandelten die Arena zunächst in eine Festung, später brachten sie darin ein ganzes Dorf unter. Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein lebten dort knapp 1000 Menschen. Im 19. Jahrhundert setzte dann ein radikales Umdenken ein, die Arena wurde geräumt und restauriert. Aber all das braucht man sich nicht zu merken. Die Geschichte des Monuments wird Besuchern ohnehin mit hochmodernen Installationen in gesonderten Bereichen näher gebracht.

Von den Gladiatoren zu den Göttern

Nîmes

Nicht nur die weltliche Herrschaft der Römer hat mit der Arena ein eindrucksvolles Zeugnis hinterlassen. Das „Maison Carrée“, wie die Franzosen den Tempel des Augustus nennen, gilt als stilistisch reinster und objektiv besterhaltener Tempel, der aus dem Reich der Römer überdauert hat. Erbaut unter dem gottgleichen Kaiser, wurde er in der Folge dessen Adoptivsöhnen und Enkeln gewidmet. Heute steht er einfach nur wunderschön in seiner klassischen Pracht anzusehen in unmittelbarer Nähe des Carré d’Art im Stadtzentrum. Beim Carré d’Art handelt es sich um ein modernes gläsernes Gebäude, in dem zeitgenössische Kunst überwiegend aus Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien und Deutschland ausgestellt wird. Wem die alten Meister lieber sind, der macht sich zum Musée des Beaux Arts Nîmes auf. Das liegt an der Rue de la Cité Foulc und zeigt unter anderem Werke von Rubens und Andrea della Robbia.

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Zurück in die Gegenwart

Nîmes ist aber viel zu lebendig und lebt natürlich auch zu sehr in der Gegenwart, als das Reisende sich nur in Museen und Monumenten aufhalten sollten. Wie Nîmes sich amüsiert und das Hier und Jetzt schätzt, das kostet man am besten am Boulevard Victor Hugo aus. Diese große Straße ist eine der Hauptachsen von Nîmes und spiegelt die Stadt so gut wider wie kaum ein anderer Platz. Auf der einen Seite Geschichte und Kultur – direkt am Boulevard etwa durch die Kirche „Saint Paul“ repräsentiert, auf der anderen Seite leben und Begegnung in Cafés, Bars und Bistros. Natürlich kann man in dieser Gegend auch gut einkaufen. Die Fußgängerzone von Nîmes beginnt am Boulevard Victor Hugo und führt bis zum Place des Herbes. Hier kann man nicht nur erstklassige Mode im französischen Stil, Accessoires, kleinen Hausrat und provenzalische Spezialitäten einkaufen, sondern in der Bäckerei Villaret auch Backwaren, die seit 200 Jahren nach dem gleichen Rezept zubereitet werden. Ganz entkommt man der Geschichte in Nîmes eben doch nie.