Menton – Die Provence-Stadt an der Grenze zu Italien

Wer über Menton spricht, muss auch über Zitronen sprechen. Aber nicht nur die gelbe Frucht als Wahrzeichen der Stadt und die delikate Zitronenmarmelade, die es dort zu erwerben gibt, machen die Stadt im französischen Departement Alpes-Maritimes zu einem beliebten Reiseziel an der Côte d’Azur.

Nach dem Sonnenuntergang

Menton ist mit einer Fläche von 14,05 km² und etwas mehr als 28.000 Einwohnern der östlichste französische Ort an der Côte d’Azur und grenzt mit seinem Stadtteil Garavan direkt an die italienische Grenze. Und wohin man auch geht, wohin man auch blickt, das italienische Flair ist überall zu spüren. Sei es durch die pastellfarbenen Häuserfassaden, die vielen Autos mit italienischen Nummernschilder, das italienische Stimmengewirr in den Cafés und Hotels oder die vielen italienischen Bürger, die seit Einführung des Euros und Wegfall der Grenzkontrollen hier an der Grenze eine neue Heimat gefunden haben. Wer jedoch entlang der Haupteinkaufsstraße flaniert, die für Autos gesperrt ist, fühlt sich eher in ein älteres Frankreich zurückversetzt. Der Duft frischgebackenen Brotes zieht aus Bäckereien und Patisserien und viele kleine Läden laden zum Erkunden und Entdecken ein.

Menton für Touristen

Menton besticht durch ein überaus mildes Klima mit über 300 Sonnentagen im Jahr. Halbkreisförmig eingebettet in Ausläufer der Seealpen ist es vor den Mistralwinden geschützt und dadurch auch im Winter der wärmste Ort an der Côte d’Azur. Es gibt dort kaum Frost und nur sehr selten (etwa alle 10 Jahre) einmal Schnee. Diese prädestinierte Lage macht es aber im Hochsommer mitunter auch sehr heiß, weshalb es sich empfiehlt im Mai oder von Mitte September bis Mitte Oktober nach Menton zu reisen.

Begonnen haben soll damals alles mit dem exzentrischen Engländer Lord Brougham, der die Stadt um 1830 entdeckte, als er danach trachtete, dem kalten, nebeligen, englischen Winter zu entfliehen. Viele folgten Ende des 19. Jahrhunderts, um den Winter unter angenehmeren Umständen zu verbringen oder um sich von der damals häufig vorkommenden Schwindsucht (Tuberkulose) zu erholen, für die das Klima an der Côte d’Azur als heilungsfördernd angepriesen wurde.

Die damalige Begeisterung der Engländer für den Ort ist auch heute noch überall in Menton zu sehen und zu spüren, auch wenn es heute nur noch wenige englische Touristen dort gibt. Da gibt es zum Beispiel eine Statue von Königin Victoria von England an der Strandpromenade, die dort gerne ihre Winterurlaube verbrachte, oder auch Straßen mit Namen wie Avenue Winston Churchill, Cours George V oder Avenue Edouard VIII. Auch große Hotels, eindrucksvolle Gärten und die orthodoxe Kirche, die damals für die Gäste aus Großbritannien gebaut wurden, zeugen noch heute von der damaligen Beliebtheit.

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Ausflug in eine exotische Welt – Mentons Gärten

Menton wird durch seine Grünflächen dominiert und ist ein wahres El Dorado für Botanikfreunde. Speziell im Vorort Garavan befinden sich viele Gärten und Parks, in denen durch das milde Klima auch teilweise seltene subtropische Pflanzen gedeihen. Der älteste ist der Jardin du Palais Carnolès (www.menton.fr/Jardin-du-Palais-de-Carnoles.html). Im Garten der Villa Marina Serena (www.menton.fr/Jardin-Maria-Serena.html), die 1880 von Charles Garnier entwickelt wurde, soll das mildeste Klima Frankreichs herrschen. Neben vielen seltenen subtropischen Pflanzen wächst dort unter freiem Himmel einer von nur drei Drachenbäumen in ganz Europa.

Aber auch die vom englischen Gartenplaner Sir Lawrence Johnston entwickelte Serre de la Madone (www.serredelamadone.com/) lohnt vor allem wegen ihrer bezaubernden Wasserspiele und Fontänen einen Besuch. Freunde von Don Quijote kommen dagegen im Jardin Fontana Rosa (www.menton.fr/Jardin-Fontana-Rosa.html) durch die dort ausgestellten illustrierten Keramiken auf ihre Kosten. Fontana Rosa ist nicht immer öffentlich zugänglich, kann aber teilweise vom Bahnhof Garavan aus eingesehen werden. Und wer dann immer noch nicht genug hat, dem bleibt noch der Botanische Garten „Val Rahmeh“ (jardinvalrahmeh.free.fr) mit über 700 tropischen und subtropischen Pflanzen.

Menton und die Zitrone

Fête du Citron

Menton und Zitronen, das gehört einfach zusammen. Die Zitronenbäume tragen das ganze Jahr über Früchte und sind in vielen Gärten, wie etwa der „La Citronneraie“ zu sehen. Besonders deutlich wird die Liebe der Stadt zur Zitrusfrucht während des alljährlichen Zitronenfestes „Fête du Citron“, das seit 1935 jedes Jahr Ende Februar, Anfang März gefeiert wird. Über tausend Tonnen Zitrusfrüchte werden hierbei zu riesigen Zitronenfiguren, zur Gestaltung der Umzugswagen während des „Korso der goldenen Früchte“ verarbeitet und zur Dekoration des Parc Biovès verwendet, in dem die Zitronenfiguren während des Festes bewundert werden können.

Kulturelle Sehenswürdigkeiten in Menton

Die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Grenzstadt sind vor allem durch den französischen Schriftsteller, Regisseur und Maler Jean Cocteau geprägt. Viele Werke des Künstlers können heute im Museé de Jean Cocteau und im erst 2011 eröffneten Museé Jean Cocteau Collection Severin Wunderman (www.museecocteaumenton.fr) bewundert werden. Ebenfalls von Jean Cocteau stammt der eindrucksvolle Trauungssaal im Rathaus der Stadt. Für Kunstliebhaber empfiehlt sich außerdem das Museum der Schönen Künste (Musé des Beaux-Arts, www.menton.fr/Musee-des-Beaux-Arts.html), in dem Gemälde von italienischen, französischen und flämischen Malern des 14. bis 17. Jahrhunderts ausgestellt sind.

Aber auch die barocke Kathedrale Saint-Michel (www.tourisme-menton.fr/Basilique-Saint-Michel-Archange.html), die 1675 fertiggestellt und nach einem kleinen Erdbeben im späten 19. Jahrhundert neu aufgebaut werden musste, lohnt ebenso wie der „Friedhof des alten Schlosses“ (www.tourisme-menton.fr/Le-cimetiere-marin.html) und das Kapuzinerkloster L’Annonciade (www.tourisme-menton.fr/Menton-Monastere-de-l-Annonciade.html) aus dem 18. Jahrhundert einen Besuch.

Menton ist südlicher Endpunkt des Fernwanderweges GR5, Schauplatz von Segelsportwettbewerben und Standort eines Kartrennens, das Jahr für Jahr im Hochsommer in der Nähe des neuen Hafens abgehalten wird.

Ein kleiner Ausflug in die Stadtgeschichte

Häuser

Erstmalig urkundlich erwähnt wird die „Wiege Mentons“ Puypin oder auch Podium Pini im Jahr 1146. Menton an sich erschien etwa ein Jahrhundert später auf der Bildfläche und befand sich im Besitz des genuesischen Geschlechts Vento bis es schließlich 1346 an die Grimaldi von Monaco überging, deren Spuren noch an vielen Stellen in Menton zu finden sind, wie etwa deren Wappen als Mosaik vor der Kirche Saint-Michel. Auch der in der Nähe von Menton gefundene Grimaldi-Mensch, dessen Schädel im Prähistorischen Museum der Stadt ausgestellt ist, wurde nach den Monegassen benannt. Die Herrschaft der Grimaldi dauerte über mehrere Jahrhunderte bis 1848 an, bis sich Menton und Roquebrune im März 1848 schließlich von Monaco abspalteten und ab 1861 schließlich mit dem Vertrag von Paris an Frankreich übergingen. Menton wurde im 2. Weltkrieg zu großen Teilen zerstört. Es dauerte bis in die 60er Jahre hinein, bis die Stadt wieder aufgebaut werden konnte.