Cavaillon – Kennst Du den Ort, wo die Melonen blüh‘n?

Cavaillon ist ein Muss für jeden Provence-Reisenden, der an Geschichte interessiert ist. Darüber hinaus liegt das Stadtgebiet im Regionalen Naturpark Luberon, der die Möglichkeit zu diversen Outdoor-Aktivitäten bietet.

Cavaillon

Es ist nicht wirklich eine Überraschung, wenn man von hübschen, malerischen Dörfern in der Provence berichtet. Selbst Menschen, die diese beliebte Urlaubsregion in Südfrankreich noch nicht besucht haben, wissen, dass die Ortschaften dort meist auf einer Anhöhe liegen, schöne Ausblicke in die wunderbare, sie umgebende Landschaft bieten und mit netten Geschäften, Bars und Cafés locken. Das gilt mehr oder weniger für alle kleinen Orte in der Provence, doch manche besitzen darüber hinaus Alleinstellungsmerkmale, die einen Besuch ganz besonders lohnenswert machen. Zu diesen ganz besonderen Ausnahmen gehört die 25.000-Einwohner-Stadt Cavaillon.

Auch die Kelten und Römer waren gern hier

Wenn in Cavaillon von Geschichte die Rede ist, dann ist tatsächlich Geschichte gemeint! Die ersten Zeugnisse, dass Cavaillon früh besiedelt gewesen ist, reichen bis in die Zeit der Kelten zurück. Sie nutzten den knapp 200 Meter hohen Hügel „Saint Jacques“ für militärische Belange – es ließ sich von dort schließlich sehr gut Ausschau halten. Gegen die Römer half das allerdings nicht. Sie lösten die Herrschaft des keltischen Stammes der Cavarer ab, nahmen auch gleich die Ebene mit ein und waren fortan die Herren in „Cabellio“, das unter ihnen zu Reichtum und Bedeutung kam.

Ein Tetrapylon oder Quadrifrons, der aus der Zeit von Kaiser Augustus stammt, zeugt bis heute von der römischen Epoche. Solche Säulenbauwerke standen in den Zentren der antiken Städte, nicht selten markierten sie die Kreuzung zweier wichtiger Straßen. In Cavaillon hat man originale Bruchstücke eines Tetrapylons gefunden und für eine Rekonstruktion des „arc romain“ genutzt. Was sonst noch an vorzeigbaren Gegenständen aus der Zeit der Kelten und der Römer geborgen werden konnte, ist im Archäologiemuseum zu sehen. Dort werden unter anderem auch Münzen, Urnen und Gefäße, die im Alltagsleben eine Rolle spielten, ausgestellt.

Im Mittelalter meldete sich Cavaillon zurück

Zugegeben, nach dem Ende der Römerzeit dauerte es ein paar Jahrhunderte, bis Cavaillon erneut in den Fokus der europäischen Geschichte geriet. Das war im Mittelalter der Fall, als im nahen Avignon die Gegenpäpste zu Rom einzogen. Einer der berühmtesten davon, Papst Innozenz IV., weihte im Jahr 1251 höchstpersönlich die Kathedrale Saint Véran, die bis heute im Zentrum überdauert hat. Überdauert hat auch das mittelalterliche Stadttor „Porte dÀvignon“, das einst an der Ausfahrtstraße nach Avignon stand. Die Kathedrale ist von außen fast bedeutender als von innen. Im Kirchenraum wurden in der Vergangenheit nämlich immer wieder Veränderungen vorgenommen. Positiv fällt allerdings die vergoldete Barockorgel auf, die 1631 eingebaut worden ist. Derart große Kirchenorgeln sind sonst in der Provence nicht üblich.

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Obst und Gemüse vom Feinsten

Cavaillon

Nicht nur die Christen, auch die Juden haben in Cavaillon Spuren hinterlassen. Für sie bot der Ort eine Zuflucht, als unter Philipp iV. (genannt Philipp der Schöne) im späten 13., frühen 14. Jahrhunderte eine große Judenverfolgung stattfand. In Cavaillon gab es jener Zeit ein Ghetto, in dem sich auch eine Synagoge befunden hat. Sie wurde allerdings später durch ein neues Gotteshaus ersetzt, das bis heute besichtigt werden kann. Interessant ist auch das Museum zur Geschichte des Judentums, das vieles aus dem Leben der einst großen jüdischen Gemeinde dokumentiert.

Es ist jedoch nicht alles „nur“ Geschichte, wenn man Cavaillon besucht. Die Stadt war zwar auch in der Antike schon für ihr hervorragendes Obst und Gemüse bekannt. Wenn man das mal großzügig beiseite lässt, dann ist Cavaillon heute ganz einfach wegen seiner Bodenfrüchte wirklich eine Reise wert. Ohnehin sind die Erzeugnisse der Stadt sozusagen in Europa in aller Munde: Gut 800.000 Tonnen werden von hier aus Jahr für Jahr auf die Großmärkte des Kontinents exportiert. Einen ganz besonders guten Ruf haben dabei die Melonen, die hier kultiviert werden. Vor Ort genossen schmecken sie übrigens nochmal so gut wie sonst. Am besten, man verwöhnt sich damit nach einem Aufstieg auf den Hügel „Saint Jacques“ mit seiner kleinen Kapelle und dem tollen Ausblick ins Land. Von dort kann man dann auch schon einige der Wanderwege sehen, die in den Naturpark hineinführen.