Carpentras – Hier schmeckt die Provence besonders süß

Eine malerische Umgebung und ein historischer Stadtkern. Interessante kleine Geschäfte und ein weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmter Wochenmarkt. Carpentras hat alles, was man sich von einer kleinen Stadt in der Provence nur erhoffen kann.

Carpentras

Knapp 30.000 Einwohner leben in dieser Ortschaft im Département Vaucluse, die schon den Päpsten von Avignon als Rückzugsmöglichkeit und Stätte der Erholung gedient hat. Heute ist das Städtchen, das in der Nachbarschaft von Orange liegt, überwiegend das Ziel von Tagestouristen. Carpentras hat aber durchaus mehr verdient. Wer es im Urlaub gern ruhig UND urban mag, der ist in diesem südfranzösischen Städtchen vom Frühling bis in den späten Herbst hinein perfekt aufgehoben.

Jahrtausendealter Handel ganz modern

Der Charme von Carpentras erschließt sich vor allem im Stadtzentrum. Das ist umschlossen von mehreren konzentrischen Kreisen, in denen sich gepflegte Wohngebiete befinden. Hier leben zwar nicht die Superreichen und Reichen, die Stadt strahlt aber dennoch eine gewisse Wohlhabenheit und auch Stolz aus.

Im Zentrum angekommen wird schnell klar, warum das so ist. Carpentras kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, in der es fast immer sehr erfolgreichen Handel gegeben hat. Die erste Erwähnung eines Marktes reicht bis ins fünfte Jahrhundert vor Christus zurück. Alle sind sie hier gewesen und haben ihre Waren ins Land gebracht – die Phönizier, die Griechen und später natürlich auch die Römer. Sie haben unter anderem einen Ehrenbogen zurückgelassen, der heute zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zählt. Vor allem aber haben all diese Jahrhunderte und Jahrtausende von Markttreiben der Stadt eine Art „Handelsgen“ mitgegeben.

Jeden Freitag findet hier ein Wochenmarkt statt, für den sich nicht nur die Einheimischen auf die Beine machen. Von nah und fern wird der Markt besucht und ist eine echte Institution für Feinschmecker und Blumenliebhaber. Ab November werden immer noch einige zusätzliche Stände aufgebaut. Dann ist die Zeit der Trüffel da und mit dem nötigen Kleingeld kann man sich dort die erlesensten Pilze Frankreichs kaufen.

Die Gegenpäpste lassen grüßen

Allerdings ging es in Carpentras nicht immer gemütlich zu. Als sich in Rom die katholische Kirche spaltete und die Gegenpäpste sich in Avignon niederließen, wurde auch Carpentras in den Sog der Geschichte hineingezogen. Die kleine Stadt gefiel Papst Clemens V., der sie zu Beginn des 14. Jahrhunderts kurzerhand zu seiner Zweitresidenz machte. Einer seiner Nachfolger, Papst Innozenz VI. wusste sich gegen marodierende Söldnertruppen wehrhaft zu schützen. Während seines Papsttums, das von 1352 bis 1362 dauerte, ließ er eine imposante Stadtmauer mit vier Toren errichten. Eines davon hat bis heute überdauert. Die Porte d’Orange steht bis heute an der ehemaligen Ausfallstraße nach Orange.

Die Gegenpäpste haben Carpentras noch eine weitere Sehenswürdigkeit hinterlassen, die Kathedrale St. Pierre und St. Siffrein. 1404 wurde sie von Papst Benedikt XIII. In Auftrag gegeben, der ihre Fertigstellung im frühen 16. Jahrhundert allerdings nicht mehr erlebte. Im 17. Jahrhundert bekam das sakrale Bauwerk, das direkt in der Mitte von Carpentras steht, seine heutige Barockfassade.

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Gut leben, hervorragend speisen

Carpentras

Ohne Anklänge an die Geschichte geht es in der Provence natürlich nie, aber die Gegenwart macht hier auch sehr viel Spaß. Es lässt sich gut leben und sein in Carpentras, das Flugtouristen übrigens gut über den internationalen Flughafen von Marseille erreichen können. Vor allem lässt es sich hier hervorragend speisen. Die Stadt liegt mitten in einem fruchtbaren Gebiet, in dem bestes Obst und Gemüse angebaut wird. Wo werden die ersten heimischen Erdbeeren in Frankreich verkauft? Auf dem Markt von Carpentras; Wochen bevor sie überall sonst auf den Markt kommen. Auch die Kirschen und Trauben der Region genießen einen ausgezeichneten Ruf. Berühmt ist die Stadt aber auch für eine traditionelle Süßigkeit. „Berlingot de Carpentras“ sind kunterbunt gestreifte Bonbons, die aus echtem Fruchtsirup hergestellt werden. Es ist geradezu ein Muss, die zu probieren. Wenn es dann schmeckt, dann kann man in der einen oder anderen Patisserie auch bei der Herstellung zuschauen.

Vielleicht haben die Einwohner von Avignon auch wegen dieser süßen Leckereien darauf gedrungen, wieder mit Carpentras verbunden zu werden. Seit Frühsommer 2015 jedenfalls gibt es eine TGV-Verbindung zwischen beiden Städten – und zwar im Stundentakt.