Villa Ephrussi – Ein Stück mediterraner Kultur

Ein wahrhaft prächtiges Stück mediterraner Kultur erwartet Sie einige Kilometer östlich von Nizza. Auf dem Cap Ferrat liegt das herrliche Anwesen der Baronin Ephrussi de Rothschild.

Villa Ephrussi

Ferien an der französischen Riviera. Flirrender Sonnenschein, türkisfarbenes Wasser, Jachten, schöne Menschen und solche, die sich für schön halten. In den Badeorten der Küste dreht sich alles ums Sehen und Gesehen werden, um gutes Essen, gute Weine, um Lebenslust und Entspannung. Das ist natürlich nicht erst seit dem letzten Sommer so. Die Côte d’Azur ist schon lange ein bevorzugtes Reiseziel für Menschen mit Geld, Einfluss und Geschmack. Eines der beeindruckendsten Zeugnisse dieser Tatsache ist die Villa Ephrussi, die nach ihrer Erbauerin Béatrice Ephrussi de Rothchild benannt worden ist. Das Haus gilt als eines der schönsten Gebäude überhaupt an der Côte d’Azur. Die Villa und ihre prächtigen Gärten sind öffentlich zugänglich und für Touristen, die an der französischen Riviera bzw. in der Provence Urlaub machen, ein unbedingt lohnendes Ausflugsziel.

Eine Anlage der Superlative

Allein die Lage der Villa Ephrusi ist atemberaubend. An einer der engsten Stellen des Cap Ferrats gelegen, bietet sie einen fantastischen Blick auf das Mittelmeer und die Küste. Béatrice Ephrussi de Rothchild ließ das Gebäude im Stil eines italienischen Palazzos bauen und in einer kräftigen rosa Farbe anstreichen. Angeblich hat sie in der siebenjährigen Bauzeit 15 Architekten verschlissen, doch was dabei herausgekommen ist, ist von eindrucksvoller Schönheit. Das Haus ist geradezu majestätisch, die Sammlungen, die seine Räume beherbergen, genießen Weltgeltung. Die Gärten schließlich, die die Villa umgeben, zählen zu den wichtigsten Gartenanlagen Frankreichs. Was kann ein Ausflugsziel an der Riviera mehr bieten?

Für seine Erbauerin freilich war die Villa mehr als ein flüchtiges Erlebnis. Béatrice, die 1864 geboren wurde und 1934 starb, mal als Tochter von Alphonse Baron de Rothchild, einem reichen Bankier und ambitionierten Kunstsammler, auf die Welt. Sie wurde blutjung an einen Kollegen ihres Vaters verheiratet, an Maurice de Ephrussi. Der weitaus ältere Mann mit russischen Wurzeln hielt jedoch nicht, was die Familie sich von ihm versprochen hatte.

Nicht nur, dass er Béatrice unglücklich machte, er konnte auch nicht mit Geld umgehen. Dem Glücksspiel verfallen, häufte er Schulden an, die heute einer Höhe von etwa 30 Millionen Euro entsprechen würden. Es gelang den Rothchilds gerade noch, vor Gericht eine Trennung durchzufechten, bevor Béatrices Vater starb. Nun fiel dessen immenses Vermögen allein ihr zu. Sie nutze einen nicht unbeträchtlichen Teil zum Bau und zur Ausstattung der Villa Ephrussi de Rothchild.

Wie der Vater so die Tochter

Villa Ephrussi

Wer die Villa betritt, wird von dem Luxus des Materials und der Großzügigkeit des Baustils fast erschlagen. Béatrice Ephrussi de Rothchild empfing ihre Gäste in einem Atrium, das von Säulen aus rosa Marmor umrahmt ist. Der Marmor stammt aus der Nähe der italienischen Stadt Verona. Fast glaubt sich der Besucher in einer Kirche, doch dann geht es auch schon in die sehr repräsentativen und weltlichen Salons. Was die Frau, die hier über zehn kurze Jahre stets nur den Winter verbrachte, angesammelt hat, sucht seinesgleichen. Antike Möbel, Gemälde von alten Meistern, eine der reichsten und eindrucksvollsten Porzellansammlungen Europas – Béatrice hatte dafür nicht nur das Geld, sie hatte durch dank ihres Vaters auch die richtigen Beziehungen zu den besten Auktionshäusern und Kunsthändlern der Welt. Als sie starb, hinterließ sie der Akademie der schönen Künste nicht nur die Villa, sondern auch über 5000 Kunstwerke. Tatsächlich hatte die Kunstmäzenin keinen Erben. Ihr russischer Ehemann hatte sie in den frühen Jahren ihrer Verbindung mit einer Krankheit angesteckt, die eine Empfängnis unmöglich machte. Deshalb fiel das Vermögen an die Akademie, die es bis heute verwaltet und betreut.

Madame hatte natürlich auch Privaträume

Neben den repräsentativen Räumen kann der Besucher heute auch die Privaträume der Erbauerin besuchen. In den Salons, Schlafgemächern, Boudoirs und Ankleideräumen geht es zwar ein wenig genügsamer zu, aber für den durchschnittlichen Zeitgenossen offenbart sich hier immer noch ein ungeheurer Luxus. Gleichzeitig bieten die Räume aber auch einen hervorragenden Einblick in die Welt der Reichen und Schönen, die sich hier im 20. Jahrhundert zusammenfand. Auch damals schon gehörte die Villa Ephrussi allerdings zur Crème de la Crème an der Côte d’Azur.

Tour durch den Garten. Pardon: Tour durch die Gärten

Wie es sich für eine so hochherrschaftliche Villa gehört, gibt es natürlich auch einen Garten. Wobei, „Garten“ ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck. Vielmehr handelt es sich um eine Aneinanderreihung der schönsten Themengärten, die man an der Côte d’Azur und vielleicht sogar in ganz Frankreich finden wird. Alle Hobbys und Vorlieben der Besitzerin sind hier repräsentiert. Es gibt einen „Sèvres“-Garten, der nach ihrer favorisierten Porzellanmanufaktur benannt ist. Auf den „Spanischen Garten“ folgt ein „Französischer Garten“, an den „Florentinischen Garten“ im Stil der Renaissance schließt sich ein Steingarten an, nach dem „Japanischen Garten“ wartet ein „Provenzalischer Garten“. Ein „Exotischer Garten“ sowie der „Rosengarten“ schließlich bilden den Abschluss einer Tour, wie sie für die Sinne nicht schöner sein könnte.

Übrigens, diesen Eindruck teilt sicher auch James Bond, der im Auftrag Ihrer Majestät weltweit an den schönsten Plätzen der Erde im Einsatz ist. 1983 wurde Bond im Film „Never say never again“ (Deutsch: „Sag niemals nie“) von Sean Connery verkörpert. Ein großer Teil der Innenaufnahmen wurde in der Villa Ephrussi gefilmt.