Viadukt von Millau – Verkehrsberuhigung in ganz, ganz großem Stil

Moderne Architektur? Sicher nicht jedermanns Sache. Wo sich aber bei Gebäuden die Geister oft scheiden, da ist man sich bei neuen Brücken meist einig. Beim Viadukt von Millau in der Provence ist das nicht anders, völlig zu Recht. Die Schrägseilbrücke, die das Tal des Flusses Tarn überspannt, ist in jeder Hinsicht einfach nur beeindruckend.

In ihren Ausmaßen, in ihren technischen Details und nicht zuletzt auch in ihrer Optik. Für die Bewohner des Ortes Millau ist sie sogar ein Segen. In der Hochsaison haben sie früher (wie die Reisenden in kleinerem Maße auch) unter Verkehrschaos, Staus, vielen Unfällen und vor allem ewigen Wartezeiten gelitten. Mit der Inbetriebnahme des Viadukts im Jahr 2004 war all das Geschichte. Obwohl, es gibt auch Reisende, die immer noch die traditionelle Route bevorzugen. Sie wollen das Viadukt nämlich von unten bewundern. Es ist eben aus jeder Perspektive wirklich sehenswert.

Eine Brücke der Superlative

Das Viadukt von Millau (franz.: Viaduc de Millau) ist heute die längste Schrägseilbrücke der Welt und mit einer maximalen Pfeilerhöhe von 343 Metern der höchste Bau in Frankreich. Im südfranzösischen Zentralmassiv stellt sie ein Teilstück der A 75 dar, die von Béziers nach Clermont-Ferrand führt. Dort überspannt sie mit ihrer eindrucksvollen Architektur auf knapp zweieinhalb Kilometern das Tal des kleinen Flusses Tarn. Die Autos unternehmen diese Reise in einer beinah schwindelerregenden Höhe von bis zu 270 Metern über Normalnull. So wird die Urlaubsfahrt nicht nur schneller, sie wird auch zu einem echten Erlebnis. Ob man tatsächlich eher am Ziel ankommt, ist vielleicht sogar die Frage. Das Viadukt ist eine echte Sehenswürdigkeit und tatsächlich nehmen sich viele Reisende die Zeit, es ausgiebig zu bewundern. Entsprechende Aussichtspunkte gibt es im Streckenverlauf immer wieder, unter anderem vom Rastplatz Cazalous aus oder bei den Orten Peyre, Beffroi oder Soulobres. Auf dem Rastplatz Brocuéjouls kann man sogar Michelin-Sterne sehen und den optischen Genuss mit exquisiter Kulinarik verbinden.

Überhaupt, es lohnt sich, wenn irgend möglich, die Fahrt für das Viadukt zu unterbrechen und es als echte Sehenswürdigkeit zu betrachten. Ein Museum und Informationszentrum zur Baugeschichte liefern die entsprechenden Informationen. Am alten Baustellenweg wird inzwischen sogar eine Führung angeboten, die die technischen und menschlichen Herausforderungen dieser Brücke eindrucksvoll lebendig werden lässt.

Die Entstehungsgeschichte und technische Daten

Die Bauzeit für das Viadukt betrug nur sensationell kurze vier Jahre, die geplante Bauzeit wurde dabei um keinen einzigen Tag überschritten. Auch die Kosten hatten die Ingenieure gut kalkuliert. 350 Millionen Euro waren veranschlagt worden, 400 Millionen waren schließlich nötig. Doch aus diesen eher bescheidenen Mehrkosten wurde niemandem ein Vorwurf gemacht.

Bis es mit dem Bau endlich losgehen konnte, waren fast zwei Jahrzehnte an Planung nötig. Zunächst einmal wurden verschiedene Streckenführungen erwogen, dann musste der Untergrund untersucht werden. Als schließlich klar war, wo das Viadukt gebaut werden konnte, schlug die Stunde der Architekten. Zwei Namen sind mit dem Entwurf eng verbunden: Der französische Bauingenieur Michel Virlogeux steht für das technische Konzept, der Brite Lord Norman Foster für die architektonische Gestaltung.

Der tatsächliche Bau des Viadukts ist mit einem ganz großen Namen der französischen Geschichte verbunden: Die Realisierung ging nämlich an die Firmengruppe „Eiffage“, deren einstiger Mitbegründer Gustave Eiffel gewesen ist, der legendäre Baumeister des Eiffel-Turms. Übrigens, der höchste Punkt des Viadukts überragt die Spitze des Eiffel-Turms um gute 20 Meter.

Was aber erwartet nun die Nutzer der Brücke rein fahrtechnisch? Pro Richtung stehen ihnen zwei Fahrbahnen mit jeweils, 3,5 Meter Breite sowie eine Standspur von drei Metern Breite zur Verfügung; insgesamt also sechs Fahrstreifen. Für die Sicherheit sorgen neben Leitplanken auch über drei Meter hohe Scheiben, die den Wind abweisen. Notrufsäulen und Feuerlöscher gehören zur Standardausstattung. Darüber hinaus wird der Verkehr auf dem Viadukt rund um die Uhr per Video überwacht und es werden Patrouillen gefahren.

Die A 75 ist zwar grundsätzlich mautfrei, die Passage über das Viadukt muss jedoch bezahlt werden. Das Entgelt liegt bei zehn Euro pro Fahrzeug.

Zum Schluss noch ein Wort zum Ort Millau

Zugegeben, das Viadukt von Millau ist heute die größte Attraktion des Ortes. Wer nicht einfach vorbeifahren möchte, der hält in Millau nach Handschuhen Ausschau. Das Städtchen war einst das Zentrum der französischen Handschuh-Produktion. Heute gibt es zwar nur noch wenige Betriebe, die aber haben es in sich. Sie versorgen die Haute-Couture-Firmen in Paris mit ihren exquisiten, handgenähten Produkten. Ob Chanel, Dior oder Hermés – die Handschuhe kommen garantiert aus Millau. Direkt ab Hersteller haben die feinen Modelle zwar kein Designer-Etikett, sind dafür aber etwas erschwinglicher.

Das Viadukt von Millau in aller Kürze

  • Knapp zweieinhalb Kilometer langer Teilabschnitt der A 75
  • Längste Schrägseilbrücke der Welt, höchstes Bauwerk in Frankreich
  • 20 Jahre Planung, vier Jahre Bauzeit, 400 Millionen Euro Baukosten
  • Die Maut liegt bei zehn Euro
  • In Millau gibt es feinste Handschuhe