Promenade des Anglais – Flanieren in Nizza

Was hat der ewige Regen in England mit einem Spaziergang am Meer in Nizza zu tun? Sehr viel, jedenfalls dann, wenn man in der südfranzösischen Stadt auf der Promenade des Anglais, zu Deutsch der Promenade der Engländer, unterwegs ist.

Promenade des Anglais

Wenn die britischen Massen heute ihrem eher bescheidenen Sommer entfliehen, dann zieht es sie nach Spanien. Die frühen „Touristen“ der englischen Oberklasse dagegen bevorzugten im 18. Jahrhundert den Süden Frankreichs und dort vor allem die Riviera und Nizza. Der Adel und das reiche Bürgertum begannen rund um das Jahr 1859 herum sogar damit, in Nizza komplett zu überwintern. Bye bye Londoner Nebel, bienvenue Sonne und milde Temperaturen im schönen Nizza. Allein die Tatsache, dass reiche Engländer die Stadt bevölkerten, führte allerdings noch nicht dazu, dass man ihnen einen eigenen Spazierweg baute. Dazu war noch etwas mehr nötig.

Reich trifft bettelarm

Die englischen Gäste hatten sich bereits luxuriös und behaglich in Nizza eingerichtet, als ein besonders kalter und unerbittlicher Winter der Stadt eher unerwünschte Gäste bescherte. Aus den umliegenden ländlichen Gegenden sammelten sich hungernde und leidende Bettler in der Stadt. Die Engländer, unterstützt von einigen reichen Russen, fackelten nicht lange. Sie ließen die Habenichtse einen steinernen Weg am Meeresufer anlegen und bezahlten sie dafür. Auch das Material wurde von ihnen bezahlt. So profitierten beide Seiten. Die Armen kamen gut über den Winter, die Reichen hatten im Frühjahr eine Flaniermeile. Das alles ist jetzt genau 250 Jahre her. Nizza feiert 2015 ein großes Jubiläum, das in vielen Ausstellungen und Veranstaltungen den Werdegang und die Bedeutung der „Promenade des Anglais“ aufzeigt und würdigt.

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Was nach der Erfindung des Autos geschah

Je besser die Promenade ausgebaut und je intensiver sie genutzt wurde, desto hochrangigere Persönlichkeiten kamen, staunten und spazierten selbst auf ihr entlang. Die englische Königin Victoria etwa vergnügte sich dort mit ihrer Entourage, und auch König Ludwig I. von Bayern vertrat sich auf der Promenade des Anglais gern die Beine. Der Monarch mietete sich für den Winter stets eine noble Villa, in der er im Februar 1868 dann allerdings verstarb. Er war damals 81 Jahre alt.

Es sollte noch 32 Jahre dauern, bis der erste Daimler nach Nizza verkauft wurde. Mit dem Siegeszug des Autos veränderte sich nach und nach auch die Promenade des Anglais. Der ursprüngliche, nur rund zwei Meter breite Steinweg, war mit der Zeit ohnehin schon immer fester, breiter und bequemer ausgebaut worden. Dennoch blieb genug Platz zwischen der „Prom“, wie der weltberühmte Spazierweg in Nizza selbst genannt wird, und den vornehmen Villen und Hotels mit Meerblick, die ihn säumten, um im 20. Jahrhundert eine Straße zu bauen. Auch die wuchs natürlich. Um dem Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, wird diese „Promenade des Anglais“ für Autos heute in jede Richtung dreispurig geführt.

Adresse für einige der luxuriösesten Hotels der Welt

Promenade des Anglais

Auch, wenn der Glanz der Belle Époque mit ihren gekrönten Häuptern und großen Roben irgendwann verblasste, so ist Nizza doch nach wie vor ein beliebtes Ziel für den internationalen Jet Set. Und da diese Herrschaften genau wie ihre Vorgänger irgendwo wohnen müssen, gibt es an der Promenade des Anglais nach wie vor sehr gute bis absolut luxuriöse Hotels. Eines der berühmtesten ist das legendäre „Le Negresco“, in dem einst wie heute Filmstars, Diplomaten und Finanztycoons absteigen. In der Nebensaison können aber auch Normalsterbliche durchaus mal ein bezahlbares Schnäppchenangebot ergattern. Vor allem im November sind die Preise günstig, das Klima kann dann aber durchaus noch sehr mild und angenehm sein. So pourquoi pas? Übrigens, die Promenade des Anglais ist auch ein sehr beliebtes Motiv bei französischen Künstlern. Einerseits verdienen damit heute die Straßenmaler ihre Brötchen, andererseits haben aber auch Autoritäten wie Henri Matisse und Marc Chagall die wechselnden Gesichter der Promenade mit Pinsel und Farbe festgehalten.

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Joggen statt flanieren

Wo einst Adel und Geldadel flanierten, geht es heute etwas sportlicher zu. Vor allem am frühen Vormittag und dann wieder am späten Nachmittag ist die Promenade des Anglais fest in der Hand von Joggern. Parallel dazu gilt aber immer noch das Motto „sehen und gesehen werden“. Am lässigsten lässt sich das von den blauen Stühlen aus bewerkstelligen, die überall auf der Promenade verteilt stehen. Sie sind eines der Wiedererkennungszeichen dieser berühmten Flaniermeile.

Auf Promenade des Anglais finden heutzutage auch diverse regelmäßige Veranstaltungen statt. Ein der bekanntesten ist der Karnevalsumzug von Nizza.