Papstpalast Avignon – Kirchengeschichte zum Anfassen – oder?

Der Papstpalast in Avignon war zwischen 1335 und 1430 die Residenz verschiedener Päpste und Gegenpäpste. Die Altstadt Avignons und der Papstpalast gehören zum Weltkulturerbe.

Eine Sitzbank auf der anderen Seite der Rhone erlaubt einen schönen Blick auf den Papstpalast.

Eine Sitzbank auf der anderen Seite der Rhone erlaubt einen schönen Blick auf den Papstpalast.

Avignon ist heute nicht nur eine der bedeutendsten Städte in der Provence, sondern in ganz Frankreich. Das liegt sicher nicht an der Einwohnerzahl, die sich lediglich um die 100.000 herum bewegt. Vielmehr sind es die berühmten Bauwerke und der kulturelle Reichtum, die Besucher aus aller Welt anlocken und Avignon den Status geben, den es gegenwärtig besitzt.

Das war allerdings beileibe nicht immer so. Im Hochmittelalter stellte Avignon eine relativ durchschnittliche, kleine Ortschaft dar. Bereits seit der Antike hatten zwar die Griechen, Römer und andere Völker mehr die Lage Avignons als strategisch wertvoll erkannt, dennoch schaffte es die Stadt nie, sich über eine mittelmäßige Bedeutung hinaus zu entwickeln. Das änderte sich erst tiefgreifend, als das geistliche Papsttum in eine ernste Krise geriet und zu einem offenkundigen Instrument weltlicher Macht wurde – zu einem Machtinstrument der französischen Krone.

Man schrieb das Jahr 1304, als Papst Benedikt XI. starb. Zu seinem Nachfolger wurde der Erzbischof von Bordeaux gewählt. Er machte sich nicht einmal die Mühe, zu seiner Weihe nach Rom zu reisen, sondern ließ sich – sehr zum Wohlgefallen des französischen Königs Philipp der Schöne – in Lyon zum Papst krönen. Zunächst wurden gesundheitliche Gründe genannt, später offenbarte sich, dass wohl auch politische Erwägungen eine Rolle gespielt hatte.

Der neue Papst begab sich jedenfalls nie nach Rom und suchte sich stattdessen Avignon als Residenz aus. Da es dort allerdings keinen Palast gab, der eines Papstes würdig gewesen wäre, begann man mit entsprechenden Bauarbeiten. Es sollte allerdings noch eine Weile dauern, bis der Grundstein für den Papstpalast von Avignon, wie er sich heute noch in Teilen präsentiert, gelegt war. Das geschah erst im Jahr 1335, als man den „Alten Palast“ (Vieux Palais) zu bauen begann.

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Was von der Pracht geblieben ist

Der Baubeginn liegt inzwischen knapp 700 Jahre zurück. In der Zwischenzeit folgte auf den Bau des Alten Palastes noch der Bau des eines weiteres Palastes, des Palais neuf oder „Neuer Palast“. Zudem wurde kontinuierlich Land zugekauft. Um die Gärten erweitern zu können. Fast 70 Jahre währte die Regentschaft der Päpste in Avignon, dann kehrte mit Gregor XI. im Jahr 1376 als erster Papst zurück nach Rom.

Der Papstpalast aber blieb, und das in seiner ganzen Schönheit und Pracht. Die Säle sollen einst so ausgestattet gewesen sein, als gehörten sie zu einem veritablen Schloss. Nach und nach verschwand wohl das eine oder andere kostbare Stück, doch erst mit der Französischen Revolution wurde der Palast fast völlig seiner Schätze beraubt. Als das Gebäude dann ab dem frühen 19. Jahrhundert als Kaserne genutzt wurde, wurden auch die letzten Überbleibsel an Kunst und Antiquitäten an Händler verscherbelt.

Heute ist der Palast innen leer, die Wände wurden notdürftig mit Portraits der französischen Päpste und mit Wandteppichen dekoriert. Dennoch – der Palast ist und bleibt eine eindrucksvolle Anlage, die nicht umsonst jedes Jahr Millionen Besucher anlockt. Gut 15.000 Quadratmeter an Fläche gibt es hier zu erkunden – von Kreuzgängen über Kapellen bis hin zu Audienzsälen. Stimmt es jemanden verwunderlich, dass der größte Raum der ganzen Anlage der Speisesaal ist? Das ist sicher ein deutliches Zeichen, wie weltlich die katholische Kirche in jener Phase gewesen ist.

Im Jahre 1309 siedelte sich der Papst Clemens V. in Avignon an.

Im Jahre 1309 siedelte sich der Papst Clemens V. in Avignon an.

Sehr weltlich aber waren auch die Diebe, die die Kunstschätze des Palastes über die Jahrhunderte hinweg abgetragen und geraubt haben. In einer der Kapellen etwa fehlen die Wandfresken bis zu einer Höhe von rund zwei Metern. Sie konnten offenbar ohne allzu große Mühe gestohlen werden. Oberhalb der zwei Meter sind die mittelalterlichen Malereien dagegen bis heute noch weitestgehend intakt.

Avignon ist mehr als ein Ziel für einen Tagesausflug

Egal, wo man in der Provence auch Urlaub macht, Avignon ist ein unverzichtbares Ziel für mindestens einen Tagesurlaub. Wer den Papstpalast bereits besucht hat, der hat noch viele andere interessante Sehenswürdigkeiten zur Wahl. Die berühmteste davon ist natürlich die Brücke von Avignon, die legendäre „Pont d‘ Avignon“, die sicher jeder aus dem berühmten Kinderlied kennt. Ihr richtiger Name lautet Pont Saint Bénézet.