Palais Longchamp – Ein kulturelles Juwel im Norden von Marseille

Wer das Palais Longchamp zum ersten Mal sieht, der wird kaum auf die Idee kommen, dass es ursprünglich aus einer reinen Notwendigkeit heraus entstanden ist. Zu monumental und imposant ist die Architektur, zu luxuriös ist die Tatsache, dass es zwei Museen beherbergt, zu angenehm und erholsam der Botanische Garten, der sich an den Prachtbau anschließt.

Und doch war es die Angst vor Dürre und Trinkwassermangel, der die Stadtväter von Marseille einst dazu bewogen hat, die Errichtung des Palais Longchamps in Angriff zu nehmen. Ein Plan, der allerdings diverse Anläufe brauchte, um schließlich tatsächlich umgesetzt werden zu können.

Man schreibt das Jahr 1835. In Marseille herrscht wieder einmal Trockenheit. Schon seit dem 16. Jahrhundert leidet die Stadt im Sommer regelmäßig unter großer Hitze und in der Folge unter Dürre und Wassermangel. Doch diesmal kommt es für die Stadtbevölkerung noch schlimmer. Marseille wird von einer Choleraepidemie heimgesucht. Der Zugriff auf Wasser, sowohl zum Trinken als auch für die Hygiene, wird zu einer Frage von Leben und Tod. Die Stadt weiß, dass sie keine Zeit mehr zu verschwenden hat.

Natürlich dauert es dennoch Jahre, bis das Problem wirklich gelöst ist. Denn der 85 Kilometer lange Kanal, den der geniale Straßen- und Brückenbauingenieur Franz Mayor de Montricher entwirft, ist eine bauliche Herausforderung. Unterirdische Gänge müssen dafür ausgehoben werden und das Projekt erfordert den Bau von insgesamt 18 Äquadukten. Zehn Jahre dauert es, bis die zuverlässige Versorgung Marseilles mit Trinkwasser endlich gesichert werden kann. Nun kann sich die Stadtverwaltung daranmachen, dieses Jahrhundertwerk zu feiern: Es soll ein Monumentalbau errichtet werden, der den Durance-Kanal gebührend würdigt. Als Standort dafür wird das Plateau Longchamp ausgewählt.

Diese Würdigung ist nur vom Feinsten

Wie aber soll der Prachtbau nun letztlich aussehen? Darüber herrscht lange Uneinigkeit. Diverse Entwürfe werden eingereicht, begutachtet und wieder verworfen. Darunter befindet sich auch einer von Frédéric-Auguste Bartholdi, der sich später als Schöpfer der Freiheitsstatue in New York einen Namen machen sollte. Für das Palais Longchamp jedoch sind es die Pläne von Henry Espérandieu, auf die man sich schließlich einigen kann und die nun endlich verwirklicht werden sollen. 1869 ist es so weit. Das wertvolle Wasser aus der Durance rauscht von nun an vor der Kulisse des Palais Longchamps heran und die Einwohner von Marseille haben gleichzeitig ein neues, exklusives Ausflugsziel.

Tatsächlich gibt es im Palais Longchamp einiges zu sehen und zu erleben. So hat zum Beispiel der berühmte Tierbildhauer Antoine Louis Barye Löwen und Tiger erschaffen, die den Eingang zum Palais symbolisch bewachen. Auch der monumentale Springbrunnen, der den Mittelpunkt der Kolonnaden markiert, stammt mit Jules Cavelier von einem renommierten Meister seines Fachs.

Kunst und Kuriositäten

Für meisten Besucher ist das Vorhandensein von gutem Trinkwasser heute wohl eine Selbstverständlichkeit. Sie interessieren sich vielleicht mehr für die Kunst- und Kulturschätze, die das Palais Longchamp zu bieten hat. Der linke Flügel des Baus beherbergt das „Museum der schönen Künste“ und ist das älteste Museum von Marseille. Nach langer und aufwendiger Renovierung ist es im Jahr 2013 wiedereröffnet worden. Die Permanente zeigt Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen aus der Zeit vom 16. Bis zum 19. Jahrhundert.

Im rechten Flügel befindet sich das „Museum für Naturgeschichte“, dass aus einem „Kuriositätenkabinett“ der Stadt hervorgegangen ist und das heute in Frankreich einen erstklassigen Ruf genießt. Auch die älteste naturwissenschaftliche Einrichtung von Marseille, das Observatoruium, ist hier im Palais Longchamp untergebracht.

Nach so viel Kunst und Geschichte darf es sicher gern ein bisschen frische Luft sein. Dann also nichts wie hinein in den Botanischen Garten, der ebenfalls zur Gesamtanlage gehört. Einst als Zoo konzipiert ist der Garten heute ein öffentlicher Park, der den Besuch im Palais Longchamp abrundet.

Palais Longchamp in aller Kürze

  • Etwas außerhalb vom Zentrum im Norden Marseilles gelegen
  • Gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen
  • Das Monument würdigt die zuverlässige Versorgung der Stadt mitz Trinkwasser aus dem Durance-Kanal
  • Berherbergt zwei Museen, ein Observatorium und einen öffentlichen Park