Notre-Dame de la Garde – Das Wahrzeichen Marseilles

Wer jemals in Marseille gewesen ist, der hat sie garantiert gesehen: Die Kirche „Notre-Dame de la Garde“ steht weithin sichtbar auf einer Anhöhe und ist das Wahrzeichen der französischen Hafenstadt.

Die Notre-Dame de la Garde wird im Volksmund 'La Bonne Mère' genannt, was so viel wie 'die gute Mutter' bedeutet.

Die Notre-Dame de la Garde wird im Volksmund ‚La Bonne Mère‘ genannt, was so viel wie ‚die gute Mutter‘ bedeutet.

Die Franzosen nennen diese Marien-Wallfahrtskirche zärtlich „la bonne mère“ – die gute Mutter. Rund zwei Millionen Pilger reisen pro Jahr an, um in der Kirche zu beten. Die gut 160 Meter hohe Anhöhe, auf der das prächtige Gebäude steht, ist aber nicht nur Ziel frommer Christen. Touristen aus aller Welt kommen dorthin, um die tolle Panoramaaussicht über die Stadt zu genießen. Viele wollen auch einen Blick auf das Chateau d‘If werfen, das sich in unmittelbarer Nähe majestätisch aus dem Wasser erhebt. Die Inselfestung war das Vorbild für jenes Gefängnis, aus dem sich der „Graf von Monte Christo“ in dem gleichnamigen Roman von Alexandre Dumas so spektakulär befreit hat.

Aufstieg aus bescheidenen Anfängen

„La bonne mère“ ist zwar ein sehr prächtiger, im byzantinischen Stil errichteter Bau, eine wirklich alte Kirche ist sie jedoch nicht. Im Mittelalter soll auf „la Garde“, wie der namensgebende Hügel heißt, einmal eine kleine hölzerne Kapelle gestanden haben. Sie war schon damals der Mutter Gottes geweiht. Mehrfach wurde angebaut und erweitert, aber selbst in den besten Zeiten passten nicht mehr als 60 bis 70 Gläubige in den kleinen sakralen Raum. Das Ganze änderte sich erst dramatisch, als der sogenannte Ritterkönig Franz I. Im frühen 16. Jahrhundert die strategische Lage der Kirche nutzen wollte. Er errichtete rund um das Gebäude ein Fort, das auch die „uneinnehmbare“ Inselfestung Chateau d’If in de Planungen miteinbezog. Obwohl die Kirche, die ebenfalls befestigt wurde, nun auf militärischem Gelände lag, blieb sie für Gläubige geöffnet. Die Pilger, zu denen sich nach und nach auch immer mehr Seeleute gesellten, konnten sie über eine Zugbrücke erreichen.

Die Ruhe vor und nach dem Sturm

Es folgten ein paar Jahre der Ruhe, dann fegte die Französische Revolution über das Land, seine Paläste und seine Kirchen hinweg. Auch Notre-Dame de la Garde blieb nicht verschont. Das berühmte Gnadenbild kam abhanden, die gesamte Einrichtung wurde gestohlen oder demoliert, die Glocken segneten das zeitliche. An Gottesdienste oder Fürbitten war fast ein Jahrzehnt lang nicht zu denken. Erst 1807 öffnete die Wallfahrtskirche wieder ihre Tore, da war sie allerdings längst noch nicht wieder repariert und renoviert.

Ihr heutiges Gesicht erhielt die Wallfahrtskirche schrittweise ab 1837. In jenem Jahr vollendete Jean-Baptiste Chanuel eine silberne Statue von Maria mit dem Kind, die heute über dem Hauptaltar zu sehen ist. 1845 hatte man auch wieder eine Glocke. Die war allerdings so schwer, dass dafür eigens ein Turm errichtet werden musste. Da man nun schon einmal dabei war, wurde auch ein größerer prächtigerer Neubau für die Kirche beantragt – und genehmigt. Am 11. September 1853 legte der Bischof den Grundstein und die Pläne eines protestantischen Architekten begannen Gestalt anzunehmen. Es sollte aber noch bis zum Jahr 1897 dauern, bis wirklich alles fertig war. Der letzte Schritt war getan, als die nun bereits zur „Basilica minor“ aufgestiegene Wallfahrtskirche ihre schweren bronzenen Portale erhielt.

Zurück zu den spirituellen Ursprüngen

Notre-Dame de la Garde wird jährlich von zwei Millionen Menschen besucht.

Notre-Dame de la Garde wird jährlich von zwei Millionen Menschen besucht.

Mit der Weiterentwicklung der Kriegstechnik verlor der Hügel La Garde schon im Ersten Weltkrieg seine strategische Bedeutung. Dieser Tatsache ist es wohl zu verdanken, dass die Erzdiözese Marseille das Gelände vom Staat zurückkaufen konnte. Zwar sollen sich im Zweiten Weltkrieg noch deutsche Soldaten auf der Anlage verschanzt haben, doch abgesehen davon dient sie heute wieder ausschließlich religiösen Zwecken.

Die Maße der Notre-Dame de la Garde sind zwar vergleichsweise zurückhaltend, ihre Innenausstattung dagegen präsentiert sich umso prächtiger. Wer schon einmal Kirchen in Ravenna besucht hat, wird mit der Ornamentik der Mosaiken vertraut sein. Auch der goldene Hintergrund, vor dem viele Gemälde und Statuen sich befinden, ist an den byzantinischen oder oströmischen Stil angelehnt. Diverse Votivgaben zeugen davon, dass nicht wenige der verzweifelten Gebete, die hier an die Mutter Gottes gerichtet wurden, tatsächlich erhört worden sind.

Selbst für Besucher, die ein rein weltliches Interesse haben, lohnt sich der Besuch; nicht zuletzt auch wegen der drei Orgeln, die in der Wallfahrtskirche erklingen. Last but not least ist die Aussicht auf Marseille von Notre-Dame de la Garde aus wirklich himmlisch.