Filmfestspiele Cannes – Glamour und Faszination

Seit 1946 versetzen die Filmfestspiele von Cannes regelmäßig für rund zehn Tage die gesamte französische Riviera in Aufruhr.

Vor allem abends ist der Blick auf das 'Palais des Festivals et des Congrès' atemberaubend schön.

Vor allem abends ist der Blick auf das ‚Palais des Festivals et des Congrès‘ atemberaubend schön.

Wenn das normale Leben eine Art Heimatfilm ist, dann sind diese Festspiele das ganz, ganz große Kino: Seit 1946 versetzen sie die gesamte französische Riviera in Aufruhr – und die Ausläufer sind über Italien und Großbritannien bis hinüber nach Hollywood (und inzwischen sogar bis Bollywood) spürbar. Von der Hektik, dem Flair und der Atmosphäre werden dabei übrigens nicht nur Cineasten erfasst. Natürlich, der Film steht im Mittelpunkt, zumindest theoretisch. Doch darüber hinaus geht es in Cannes immer auch um den roten Teppich und alles, was damit zusammenhängt. Um Roben, Kleider und Kleidchen. Darum, wer eingeladen ist – und wer nicht. Wer in der gewohnten Begleitung erscheint und wer in neuer. Wer geliftet wurde und wer einfach nur ein Jahr älter geworden ist. Kurz, es geht um Klatsch und Tratsch rund um Stars und Sternchen, Regisseure, Produzenten und Stylisten.

Ganz nebenbei wird natürlich immer auch ein wenig Politik gemacht; das Festival findet schließlich in Frankreich statt. Das macht dann selbstverständlich auch Schlagzeilen. So etwa 1958, als Meisterregisseur Francois Truffaut als Kritiker und Juror in Cannes unerwünscht war. 1968 sorgte Truffaut gar dafür, dass das Festival komplett abgesagt werden musste. Nach den Mai-Unruhen in Paris hatte er so viele Kollegen von einem Boykott der Filmfestspiele von Cannes überzeugt, dass die Direktion das ganze Unterfangen absagte. Das Enfant terrible des französischen Films wurde dennoch in Cannes geehrt. Gleich für seinen ersten Film „Sie küssten und sie schlugen ihn“ erhielt er 1959 den Regie-Preis. Nach seinem Tod wurde er für sein Lebenswerk geehrt. Außer 1968 fielen die Filmfestspiele von Cannes nur noch insgesamt zweimal aus. 1948 und 1950 war einfach nicht genug Geld da, um sie durchführen zu können.

Und die „Goldene Palme“ geht in diesem Jahr an…

Sinn es eines Filmfestspiels ist es einerseits, das Schaffen der Branche auf breiter Basis sowohl einem Fachpublikum als auch der Öffentlichkeit allgemein näher zu bringen. Andererseits sollen auch eine Auswahl getroffen und entsprechende Preise verliehen werden. Der Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele von Cannes ist die „Goldene Palme“ (franz. Palme d’Or). Sie wird für den besten eingereichten Film verliehen. In jedem Jahr setzt sich übrigens die Jury, die über die Vergabe entscheidet, neu zusammen. So wechseln zwar die Gesichter (und die Interessen), es sind aber grundsätzlich Filmschaffende, die in die Jury berufen werden. Der zweitwichtigste Preis, der für die Kategorie „Film“ vergeben wird, ist der „Große Preis der Jury“ (Grand Prix du Jury), gefolgt vom „Preis der Jury“ (Prix du Jury). Ausgezeichnet werden aber nicht nur Gesamtkunstwerke, sondern auch Einzelleistungen. Sie werden für den besten Darsteller, die beste Darstellerin sowie für die beste Regie und das beste Drehbuch vergeben.

Nicht ganz so öffentlichkeitswirksam, aber auch spannend sind die Auszeichnungen, die für die Kategorie Kurzfilm sowie für die Arbeiten von Filmstudenten vergeben werden. Das bedeutende Renommee der Filmfestspiele von Cannes hat zudem dazu geführt, das sich auch kleine „Nebenjurys“ gebildet haben. So verleihen zum Beispiel auch internationale Filmkritiker ganz offiziell eine eigene Auszeichnung. Der Hauptjury steht es zudem frei, ob sie den „Spezialpreis der Jury“ vergeben möchte. Sie kann das tun, muss es aber nicht.

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Was glitzert denn da so schön?

Im Inneren des 'Palais des Festivals et des Congrès' entzücken Moderne und Eleganz.

Im Inneren des ‚Palais des Festivals et des Congrès‘ entzücken Moderne und Eleganz.

Die Filmfestspiele von Cannes sind eine äußerst glamouröse Angelegenheit. Das gilt nicht nur für die Kleider der Filmstars, das gilt auch für die Auszeichnungen. Sie werden traditionell von dem Schweizer Juwelierhaus Chopard angefertigt. Chopard ist es denn auch, der dafür sorgt, dass die Diven auf dem Roten Teppich angemessene Juwelen tragen. Der Schmuck wird den Diven für ihren Auftritt ausgeliehen. Es gibt Gerüchte, dass die eine oder andere Dame das auch schon mal falsch verstanden hat und an die Rückgabe nachträglich erinnert werden musste.

Selten große „Blockbuster“

Es sind nur selten die großen Publikumserfolge oder „Blockbuster“, die in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet werden. Umgekehrt werden aus den prämiierten Filmen auch nur selten Kassenfüller. Zum Beispiel hieß der Gewinner der „Goldenen Palme“ im Jahre 2014 Nuri Bilge Ceylan. Der türkische Regisseur erhielt die Auszeichnungen für seinen ebenso eindringlichen wie leisen Film „Winter Sleep“.