Aven d’Orgnac – Eine Tropfsteinhöhle voller Schönheit, Mythos und Geheimnis

Es muss leider gesagt werden: Jeder, der unter Platzangst leidet oder aus anderen Gründen keine unterirdischen Höhlen besuchen mag, tut uns in diesem speziellen Fall ganz besonders Leid. Und: Wenn es irgend geht, sollte man sich überwinden und die Tropfsteinhöhle Aven d’Orgnac trotzdem besuchen – und genießen. Es handelt sich dabei nicht nur um eine der schönsten Höhlen Frankreichs.

Beeindruckend ist auch, mit welchen Mitteln der Besucher tief in die Vergangenheit der Naturgeschichte, aber auch der menschlichen Entwicklung zurückgeführt wird. Licht – natürliches ebenso wie künstliches – und Schatten spielen dabei eine große Rolle. Bei all dem steht die Sicherheit aber immer an oberster Stelle. Jeder Meter des Rundgangs ist durch Geländer gesichert und großzügig angelegte Balkone erlauben an den imposantesten Stellen wunderbare und ungestörte Aussichten.

Wie die Höhle Aven d’Orgnac im 20. Jahrhundert entdeckt wurde

Die Höhle liegt deutlich nördlich von Avignon und Orange tief im Landesinneren Südfrankreichs in den Cevennen. Die offizielle Adresse lautet: Grand Site des France de l’Aven d’Orgnac, 2240 Route de l’Aven, 07150 Orgnac L’Aven. Geographisch befindet sie sich zwischen der berühmten Ardèche-Schlucht und dem Tal der Cèze. Dort liegt sie rund 15 Kilometer von Vallon-Pont-d’Arc und acht Kilometer von Barjac entfernt.

Es war im Jahr 1935, als Einheimische dort Im Jahr 1935 den Höhlenforscher Robert de Joly zu einem tiefen Schacht führten, der in der provenzalischen Sprache als „Aven“ bezeichne wird. Der Schacht war wohlbekannt, aber niemand hatte sich bislang hinunter getraut. Robert Joly und sein Team nahmen das Wagnis auf sich. 50 Meter ging es zunächst senkrecht bergab, bis die Forscher auf erstes Geröll und Gesteinsbrocken stießen, die von der Höhlendecke herabgebrochen waren. Nach und nach bahnten sie sich ihren Weg und hatte somit eine der bemerkenswertesten und schönsten Höhlen Frankreichs entdeckt. Bereits wenige Jahre später durften erstmals auch Besucher die Höhlen betreten. Seitdem sind nicht nur neue Bereiche entdeckt worden, sondern auch am Rundgang für die Öffentlichkeit wurde kontinuierlich gearbeitet. Heute ist ein ebenso komfortabler wie sicherer Besuch der Höhle möglich. Moderne Aufzüge bringen die Gäste am Ende dann schnell wieder zurück ans Tageslicht.

Was die Besucher in der Höhle Aven d’Orgnac erwartet…

Es hat Millionen von Jahre gedauert, bis die Höhle ihr heutiges Aussehen angenommen hat. Vor rund sechs Millionen Jahren etwa soll ein Fluss durch die Schlucht geflossen sein; sein Wasserlauf hat einen Tunnel zurückgelassen. Überschwemmungen und Zeiten der Trockenheit wechselten einander ab und bildeten das Höhlensystem, das sich in seiner heute bekannten Größe über eine Länge von etwa vier Kilometern erstreckt.

Saal Robert de Joly

Ein Film über die Entstehungsgeschichte der Höhlen bereitet die Besucher auf den Rundgang vor. Dann geht es los, Schritt für Schritt tiefer hinein in eine geheimnisvolle Welt. Nach 50 Metern öffnet sich die Grotte, die nach ihrem Entdecker benannt ist: Der „Saal Robert de Joly“ weist eine Deckenhöhe von 30 Metern auf und bietet dem Auge ein Gesamtrelief von mehr als 10.000 Quadratmetern. Von riesengroß (untertrieben gesagt) bis extrem fein präsentiere sich die Tropfsteinformationen, die zum Teil eigene Namen haben. So gibt es etwa einen „schiefen Turm von Pisa“, „Palmen“ oder auch einen „Tellerstapel“. Das Wahrzeichen der Höhle aber ist der „Tannenzapfen“ mit einer Höhe von elf Metern. Eine Formation an der Höhlenwand verdient besondere Aufmerksamkeit. Sie erweckt den Eindruck einer riesigen Orgel und birgt in ihrer Mitte eine Urne mit der Asche von Robert de Joly.

Chaossaal

Weiter geht es, diesmal bis hinunter auf eine Tiefe von 100 Metern. Nun ist der Besucher im „Chaossaal“ angekommen. Hier haben die Naturgewalten und das ewige Rieseln des Wassers Kunstwerke entstehen lassen, die wohl nie von Menschenhand erschaffen werden können. Aus dem Boden „wachsen“ Stalagmiten, die um die 15.000 Jahre alt sind. Die Felswände, die still in faszinierenden Farbschattierungen von Purpur über Ocker, Braun und Grün daliegen, scheinen teils von feinster, weißer Spitze beschützt zu werden. Das sind die sogenannten Sintergardinen, die aus durchscheinend weißem Kalzit bestehen, der oft nur wenige Millimeter dick ist.

Roter Saal

Der nächste Abstieg führt in einer Tiefe von 121 Metern und endet im „Roten Saal“. Dies ist der letzte Teil der öffentlichen Führung und gleichzeitig für viele der Höhepunkt. Im Roten Saal sehen die Besucher nicht nur riesige Säulen und Millionen Jahre alte Korrosionsspuren, die das Wasser hinterlassen hat. Der Saal ist auch Ort für eine stimmungsvolle und poetische Ton- und Lichtschau, die einen emotionalen Abschluss des Besuchs bietet.

Besonders abenteuerlustige oder wissbegierige Gäste können übrigens auch Höhlenbereiche besuchen, die für die Öffentlichkeit ansonsten gesperrt sind. Diese „Späleologie“-Touren müssen aber vorab angemeldet werden und bedürfen besonderer Führer. Die Teilnehmer bewegen sich dabei auch auf zum Teil ungesichertem Terrain. Diese Touren dauern zwischen drei und neun Stunden.

…und was drumherum

Ganz in der Nähe zum Eingang der Höhle befinden sich inzwischen ein Museum sowie ein Lehrpfad, die das Höhlensystem sozusagen mit Leben erfüllen. Wie sind die Formationen entstanden? Wie haben die urzeitlichen Menschen gelebt, die ihre Spuren in den Höhlen hinterlassen haben? Welche Werkzeuge haben sie benutzt, was hatten sie an? Solche und viele, viele andere Fragen werden im Museum „Cité de la Préhistoire“ anschaulich beantwortet – nicht nur, aber auch für Kinder. Sie haben übrigens freien Eintritt, während für erwachsene Besucher eine kleine Zusatzgebühr anfällt.

Ein paar praktische Infos zum Schluss

Bis zum Roten Saal hinunter sind es 700 Stufen. Festes Schuhwerk ist ebenso zu empfehlen wie ein Pulli oder eine Jacke. In der Höhle herrschen konstant zwölf Grad Celsius. Das mag an einem heißen Sommertag zunächst angenehm kühl sein, aber die Führung dauert eine Stunde…

Die Eintrittspreise liegen für Erwachsene (Stand September 2018) bei 13,50 €, Kinder zwischen sechs und 14 Jahren zahlen 8,80 €, für jüngere Kinder ist der Eintritt frei. Die Höhle ist vom 1. Februar bis zum 15. November sowie während der Weihnachtsferien an französischen Schulen täglich geöffnet.

Tropfsteinhöhle Aven d’Orgnac in aller Kürze

  • Entdeckung der Höhle im Jahr 1935 durch Robert de Joly
  • Drei Säle in bis zu 121 Meter Tiefe
  • Sicherer Rundgang mit Aussichtsbalkonen
  • Am Ende wird eine Ton- und Lichtschau geboten
  • Das Museum „Cité de la Préhistoire“ liegt gleich neben dem Eingang zur Höhle und bietet Informationen zur Höhle und zum prähistorischen menschlichen Leben.