Correns – Hier ist die Provence auch im übertragenen Sinne sehr, sehr grün

Womit es angefangen hat? Genau weiß das in Correns niemand mehr zu sagen. Vielleicht war es die zunehmende Zahl von kleinen und großen Umweltsünden, von denen in den Nachrichten immer wieder die Rede war.

Oder jene Skandale, die nicht das täglich Brot, sondern auch den Wein in Verruf brachten. Auf jeden Fall stand für die Menschen – und somit auch für die Winzer – in Correns irgendwann fest, dass sie da nicht mitmachen, nicht dazugehören wollten. Heute ist der kleine Ort im Département Var in den französischen Seealpen das erste Biodorf nicht nur der Provence, sondern von ganz Frankreichs. Es wird also nicht verwundern, dass die knapp 900-Seelen-Gemeinde viel darangesetzt hat, vom Massentourismus verschont zu bleiben. Die grüne Seele des Dorfes wird von den Bewohnern zelebriert, aber nur mit jenen Besuchern geteilt, die ihren Weg nach Correns von selber finden. Dann aber sind sie mehr als willkommen und können den Ort, seine Menschen, seine Weine und seine Umgebung in vollen Zügen genießen.

Die Lieblingsfarbe von Correns: Grün in allen Schattierungen

„Grün“ ist in diesem Biodorf (französisch: village bio) aber nicht nur inhaltliches Programm und Verpflichtung gegenüber der Umwert. Correns liegt auch im Herzen der so genannten Provence Verte, also der grünen Provence. Die wiederum hat ihren Namen von ihren immer gut gefüllten Gewässern, die Bäume, Büsche und auch alle anderen Pflanzen selbst im Hochsommer noch frisch und saftig aussehen lassen. Warum das eigens erwähnt wird? Weil es so gar nicht selbstverständlich ist für die Provence, die wie ganz Südfrankreich sich vor allem im August und September oft auch von einer trockenen, ausgedörrten Seite zeigt.

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Ruhe und Muße auf Französisch

Nicht so in Correns. Hier sprudeln die Brunnen auch bei einer Hitzewelle fröhlich weiter. Und es gibt viele Brunnen in diesem Ort, der von seinen Gästen erobert werden will. Es gibt hier abseits der großen Straßen kaum Hinweisschilder und am Ortseingang schließlich eine Brücke über den Fluss Argens, bei der eine etwas noblere Limousine bereits die Außenspiegel einfahren muss. Busse, Wohnmobile und andere Großgefährte müssen draußen bleiben.

Für die, die schließlich drin sind, hat das natürlich etwas Wunderbares. Im Dorf scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und man trifft überwiegend auf Menschen, deren Familien hier schon „ewig“ leben. Allein das wäre schon ein Alleinstellungsmerkmal, das Correns für Ruhe suchende Reisende vor den meisten anderen Ortschaften auszeichnet. Aber dieses erste Biodorf hat natürlich noch mehr zu bieten. Es gibt nämlich einiges zu sehen, allem voran die frisch restaurierte Burgruine, die von einem Felsen auf das Dorf herabschaut. Natürlich gibt es auch ein Rathaus, auf dem – französisch, wie es französischer nicht geht – die Worte „Liberté, Egalité, Fraternité“ prangen. Dann sind da die interessanten Läden, in denen man kaum ein typisches Souvenir bekommen kann. Dafür aber typische Produkte aus der Region; viele davon auch ess- und trinkbar.

Apropos trinken. In einem Biodorf zählt es natürlich fast zu den Selbstverständlichkeiten, dass ehrlich aufgetischt und eingeschenkt wird. So gut wie alle Winzer, die zur örtlichen Genossenschaft gehören, arbeiten nach ökologischen Prinzipien und produzieren saubere Qualität vom einfachen Landwein bis hin zu anspruchsvolleren Tropfen.

Sport und Genuss werden groß geschrieben

Das Weingut „Château Miraval“ gehört zur Scheidungsmasse von Angelina Jolia und Brad Pitt. Foto: Serge Chapuis, www.chapuis-photo.com

Das Weingut „Château Miraval“ gehört zur Scheidungsmasse von Angelina Jolia und Brad Pitt. Foto: Serge Chapuis, www.chapuis-photo.com

Doch in Correns schätzt man nicht beim Wein Qualität. Hier kann man auch vorzüglich essen und wohnen; Letzteres vor allem dann, wenn es weder ein Zelt noch eine internationale Luxusherberge sein muss. Hübsche Ferienvillen und charaktervolle kleine Hotels bieten sich stattdessen als Zuhause auf Zeit an. Zeit sollte man sich übrigens nehmen. Correns ist umgeben von dichten Wäldern, die auch bei großer Hitze schattige, erholsame Wanderungen zulassen. Wer Wasser liebt, dem bietet der Argens nachhaltige Abkühlung, der zudem auch zu wunderschönen Kanutouren einlädt. Eher schweißtreibend sind dagegen die Klettertouren in der Schlucht Le Vallon Sourn auf dem linken Flussufer. Hier warten gleich 200 Aufstiege unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade auf fitte Kletterer. Wer auf das stille Örtchen muss, den erwarten hier Öko-Klos mit Solardächern. Und das rechte Flussufer? Das ist ganz der Tierwelt vorbehalten. Menschen haben hier keinen Zutritt. Auf den Märkten des Ortes sind Besucher dagegen sehr gern gesehen. Zum Wochenende hin werden in der Dorfmitte Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse in Hülle und Fülle sowie erstklassiger Bio-Qualität angeboten. Herzlich Willkommen im Schlaraffenland!

Correns auf einen Blick

  • Frankreichs erstes zertifiziertes Biodorf – „Village Bio“
  • Nicht ganz leicht zugängliche Lage abseits der großen Routen
  • Direkt am Fluss Argens gelegen
  • Wandermöglichkeiten in dichten Wäldern
  • Rund 200 ausgewiesene Kletteraufstiege in der Schlucht Le Vallon Sourn
  • Märkte und Feste rund um das Thema Ökologie und Bio-Lebensmittel