Bras – Noch ist dieser Ort ein echter Geheimtipp in der Provence

Dass die Provence eine landschaftlich wunderschöne Urlaubsregion in Südfrankreich ist, ist garantiert seit Jahrzehnten kein Geheimwissen mehr. Dass es aber innerhalb dieser Region noch eine Gegend gibt, die ursprünglich natürlich und vom Massentourismus so gut wie unberührt geblieben ist, das dürfte eine zumindest noch nicht ganz so verbreitete Weisheit sein. Und, dass es innerhalb der „Provence verte“, der grünen Provence also, den absolut zauberhaften Ort Bras gibt, das ist garantiert noch ein Geheimtipp.

Foto: By GQ (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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Doch eins nach dem anderen. Bei der Provence verte handelt es sich um das Hinterland des Départements Var in den französischen Seealpen. Wer sich hier mal ein paar Tage oder besser noch, ein paar Wochen Ferien gönnt, der wird als ein anderer Mensch in seinen Alltag zurückkehren. In der Provence verte ist es ruhig, beschaulich, dort kann man sich noch richtig erholen. Der Gast lebt in einer Landschaft, die wie ein riesiger Garten erscheint. Der Blick schweift beinah endlos über Weinberge und Olivenhaine, über Lavendelfelder, Obstplantagen und Gemüsegärten. Zwischendurch aber immer wieder auch wilde Landschaften, die der Mensch nicht kultiviert, sondern sich selbst überlassen hat. Und mittendrin in diesem eindrucksvollen Wechsel liegt Bras.

Wie auch die anderen wenigen Dörfer, die sich in eher versteckten Lagen in der Provence verte befinden, ist Bras sehr pittoresk und hat zudem eine lange Geschichte. Kulturell interessierte Reisende kommen hier also auch auf ihre Kosten. Von den Genießern ganz zu schweigen!

Von Feuersteinen, römischen Feldherren und dem Malteserorden

Die Gegend rund um das heutige Bras war offenbar auch schon bei den frühen Homo sapiens beliebt. Davon zeugen archäologische Funde aus der Vorgeschichte, etwa bearbeitete Feuersteine. Etwas konkreter wird das Ganze in der Antike. Im Jahr 102 v. Chr. hat der römische Feldherr Gaius Marius es hier mit den Kimbern und den Teutonen zu tun gehabt. Er besiegte sie nicht zuletzt deshalb, weil Bras ihm als Basislager diente. Bis zur ersten urkundlichen Erwähnung dauerte es dann allerdings nochmal gute tausend Jahre. 1015 erscheint „Brachium“ oder „Castrum de Braz“ endlich in einer Urkunde; 1241 wird es dann erstmals als Lehen vergeben. Danach geht die Herrschaft über den Ort an den Malteserorden und an die Templer über. Sie versorgten von Bras und dem nahen Hafen von Marseille aus Kreuzfahrer im vorderen Orient mit Nachschub.

Liebe geht durch den Magen

Foto: Par Apultier (Travail personnel) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) ou CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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Heute geht es in Bras weniger dramatisch zu. Der Ort hat rund 2500 Einwohner und bietet ihnen und seinen Gästen alles, was man für das tägliche Leben braucht – und vieles darüber hinaus. Es gibt also eine Post und einen kleinen Supermarkt, es gibt Bäckereien und Fleischereien, natürlich auch Friseure, Bars, Cafés und Restaurants. Und dann gibt es die Märkte! An den Markttagen türmt sich das Obst und Gemüse der Region. Es ist frisch, saftig, geschmacksintensiv, wie man es als Nord- und Mitteleuropäer kaum noch kennt. Dazu frisch gefangener Fisch, bestes Fleisch und Blumen über Blumen. Kurz, ein Marktbummel in Bras ist wie ein Besuch im Schlaraffenland. Die Qualität der regionalen Produkte spiegelt sich übrigens auch in der Gastronomie des Ortes wider. Wer hier nicht frisch und lecker auftischt, der kann geschäftlich nicht überleben. Das gilt übrigens auch für die hervorragenden Weine der Region.

Wandern in unberührter Natur

Ein gutes Essen und ein wunderbares Glas Wein schmecken natürlich gleich nochmal besser, wenn man so richtig Appetit hat. Den holt man sich am besten auf einer ausgiebigen Wanderung. Bras liegt auf einer Höhe von etwa 400 Metern und bietet eine Vielzahl von Wegen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Die Wanderungen führen durch unberührte Landschaft und viel Wald. Immer wieder eröffnen sich dabei schöne Aussichten. Bei durchschnittlichen 300 Sonnentagen pro Jahr darf man beruhigt davon ausgehen, dass solche Freizeitaktivitäten nicht ins Wasser fallen werden. Apropos Wasser. Rund um Bras gibt es zahlreiche kleinere See und größere Teiche sowie diverse Wasserfälle. Das viele Nass sorgt dafür, dass die Luft als ausgesprochen frisch empfunden wird und die Nächte in Bras kühl sind. Nach heißen Tagen sorgt das für einen guten, erholsamen Schlaf, der von der tiefen Stille ringsum noch unterstützt wird. Damit Ihre Wanderungen perfekt werden, haben wir eine Checkliste für den Wander-Urlaub in der Provence erstellt.

Was gibt es in Bras sonst noch zu sehen?

Am Hügel Saint Pierre etwas oberhalb des Ortes steht eine Kapelle. Sie ist alles, was von einer einstigen kleinen Stadt übrig geblieben ist. Von hier aus hat man einen schönen Blick ins Tal.

Die Brücke von San Sumian stammt noch aus der Zeit der Römer. Sie führt über eine kleine Schlucht und bietet den Ausblick auf Wasserfälle.

Der Weinkeller „Keller der Templer“ ist das Gebäude der regionalen Weingenossenschaft. Inzwischen wird dort natürlich mit modernen Methoden gekeltert. Ein Besuch mit Verkostung lohnt sich.

Die Kapelle Unserer Lieben Frau von Bethlehem ist erst vor kurzem renoviert worden. Sie geht auf den Ritterorden der Templer zurück, die sie im Mittelalter zusammen mit einem Krankenhaus gebaut haben.

Bras in aller Kürze

  • Der Ort liegt in der Provence Verte, im Hinterland des Départements Var; Entfernung nach Brignoles etwa 15 Kilometer
  • Die Region war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt
  • Auf ausgedehnten Wanderungen kommt man an kleinen Seen und vielen Wasserfällen vorbei
  • Diverse Gotteshäuser unterschiedlichen Alters können besichtigt werden
  • Ein Abstecher in den Weinkeller mitsamt Verkostung lohnt sich