Beaumes-de-Venise – Die Provence zum Trinken

Landschaftlich ähnelt die Provence hier der Toskana. Hinter sanften Hügeln liegen Dörfer mit uralten Fundamenten. Die Erde ist fruchtbar und optimal geeignet, beste Trauben und Oliven hervorzubringen. Anders als in ihrer italienischen Entsprechung allerdings ist das provenzalische Beaumes-de-Venise nicht für ausdrucksstarke Rotweine berühmt, sondern sorgt eher für den gelungenen Abschluss eines Menüs.

Der kleine Ort, der in den Seealpen zu Füßen der Dentelles de Montmirail liegt, ist Namensgeber für Rotweine höchster Güte und stellt gleichzeitig eine geschützte Herkunftsbezeichnung (Appellation) für die Weine dieser Region dar.

Ein Kleinod mit langer Geschichte

Bevor man die Weine, die Oliven und das wunderbare Obst der Region genießen kann, muss man freilich Beaumes-de-Venise erst einmal finden. Wie schon erwähnt, erstreckt sich ganz in der Nähe das Bergmassiv Dentelles de Montmirail; der Ort selbst liegt direkt am Canal du Carpentras. Das Städtchen Carpentras ist nur etwa zehn Kilometer entfernt, nach Orange sind es zirka 25 und nach Avignon gut 30 Kilometer. In dieser ausgesprochen geschichtsträchtigen Nachbarschaft braucht sich BBeaumes-de-Venise aber nicht zu verstecken. Archäologen haben im Ort sowohl Spuren keltischer als auch galloromanischer Siedlungen entdeckt. Mit der ersten schriftlichen Erwähnung musste allerdings bis zum frühen Mittelalter gewartet werden. Im Jahr 935 schließlich taucht der Name erstmals als „Ad Balmas“ auf. Immer wieder haben später Kriege, allen voran die Hugenottenkriege zwischen 1562 und 1598 den Ort zerstört zurückgelassen, viel ist also von der langen Geschichte nicht zurückgeblieben. Der erste Teil des Namens geht auf den Protestantenführer Francois de Beaumont zurück, der 1572 das Städtchen annektierte. Obwohl es naheliegend scheint, hat das „de Venise“ im Namen nichts mit Venedig (französisch: Venise) zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Hinweis auf die frühere Grafschaft Venaissin, zu der der Ort einst gehörte.

Große und kleine Sehenswürdigkeiten

Beaumes-de-Venise - Chapelle Notre-Dame d'Aubune

Beaumes-de-Venise ist ein typisch provenzalischer Ort, der eigentlich gar keine Sehenswürdigkeiten braucht, damit man sich gern dort aufhält. Malerische Gassen, hübsche kleine Läden, Bars und Bistros, ein Platz im Schatten von Platanen – es ist alles da, was die Romantik und den Reiz der Provence ausmacht. Doch darüber hinaus hat Beaumes auch noch etwas besonders Romantisches zu bieten, das entfernt an Heidelberg erinnert. Der Ort wird nämlich von den Ruinen einer mittelalterlichen Burg überragt, die von einer weniger friedlichen Zeit kündet. Im Ort selbst ist die Pfarrkirche einen Besuch wert. Sie wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert gebaut und weist einige architektonische Besonderheiten auf.

Wer sich für kunstgeschichtliche Details interessiert, der sollte nicht am öffentlichen Brunnen von Beaumes-de-Venise vorbeigehen. Die barocke Vase des Brunnens weist vier so genannte Maskarons auf, die man auch als Fratzengesichter bezeichnen könnte. Sie sind so kunstvoll gefertigt, dass die Vase im Jahr 1933 in Frankreich in den Rang eines nationalen Monuments erhoben worden ist. Ebenfalls sehenswert ist das kleine geologische und archäologische Museum, das sich im Zentrum befindet.

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Ein Spaziergang durch die Weinberge

So hübsch der Ort selbst auch ist, ganz ohne – mindestens – einen Ausflug in die wunderschöne Umgebung geht es natürlich nicht. Die Landschaft rund um Beaumes-de-Venise wird vom Weinbau, von Olivenhainen und Obstplantagen bestimmt. Hier wachsen die Trauben für die weltberühmte Appellation „Beaumes de Venise“, die für hervorragende edelsüße Weine aus der Muskatellertraube steht. Doch darüber hinaus werden hier auch beste Rotweine hergestellt, die ihren Qualitätsgipfel unter der Bezeichnung „Crus des Côtes du Rhône“ erreichen. Dabei handelt es sich in aller Regel um eine Cuvée aus Grenache und Shiraz. Während ein Spaziergang durch die Weinberge Erholung für Geist und Körper ist, sollte man zum Abschluss immer auch ein kleines Gläschen bei einem lokalen Winzer genießen. Natürlich lohnt es sich auch, Olivenöl zu verkosten und als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.

Im Hochsommer kann man zudem auf den Plantagen und den lokalen Märkten in Früchten schwelgen. Vor allem die Kirschen und die Pfirsiche von Beaumes-de-Venise haben einen ganz besonders guten Ruf.

In den Weinbergen kann man übrigens immer mal wieder auf den Eingang zu einer Grotte (französch: baume) stoßen. Eine Theorie besagt, dass das der Ursprung für den ersten Teil des Ortsnamens ist. Ob das nun stimmt oder nicht sei dahingestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass es sogar eine troglodytische Felshöhle gibt, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Das gilt auch für die Kapelle Notre-Dame d’Aubune, die sich ebenfalls in den Weinbergen befindet. Ihre Ursprünge reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück. Heute bietet sie mit ihrem markanten Glockenturm und ihrer Lage an einem felsigen Abhang ein dramatisch anmutendes Ausflugsziel.

Beaumes-de-Venise in aller Kürze

  • Kleiner Ort am Fuße des Bergmassivs Dentelles de Montmirail
  • Namensgeber für eine geschützte Herkunftsbezeichnung beim Wein
  • Knapp 2500 Einwohner
  • Sehenswerte Burgruine und kleines archäologisches Museum
  • Eingebettet in eine fruchtbare Hügellandschaft mit Weinbau, Olivenhainen und Obstgärten
  • Troglodytische Felshöhle und Kapelle Notre-Dame d’Aubune sind lohnende Ausflugsziele in den angrenzenden Weinbergen des Ortes