Sieg über „Front National“: Moschee in Fréjus eröffnet

Der rechtspopulistische „Front National“ versuchte den Bau einer Moschee in Fréjus bis zuletzt zu verhindern. Und auch jetzt, nachdem sie endlich eröffnet wurde, drohen weitere Gerichtsverfahren.

Die Idylle von Fréjus ist in Gefahr: Der rechtspopulistische „Front National“ versuchte den Bau einer Moschee in der wunderschönen Stadt am Mittelmeer bis zuletzt zu verhindern. Und auch jetzt, nachdem sie endlich eröffnet wurde, drohen weitere Gerichtsverfahren.

Wie wir berichteten, sah es nach dem ersten Wahlgang der französischen Regionalwahlen so aus, als könne der rechtspopulistische „Front National“ große Teile Frankreichs erobern. Als sich das Ergebnis im zweiten Wahlgang umkehrte, atmete das Land auf. Dennoch konnte die Partei nach den Kommunalwahlen 2014 einige Bürgermeister stellen, darunter in Fréjus, Villers-Cotterêts und Cogolin. In Fréjus versuchte der „Front National“ den Bau einer Moschee bis zuletzt zu verhindern. Auch nachdem die Moschee al-Fath in der vergangenen Woche eröffnet wurde, droht die Partei mit weiteren Gerichtsverfahren.

Städte mit Bevölkerungsrückgang vornehmlich an der Küste

In der vergangenen Woche hat das schlichte minarettlose Gotteshaus seine Pforten geöffnet – nach jahrzehntelangem Warten und einem erbitterten Rechtsstreit. Eigentlich besucht ein Bürgermeister Einrichtungen jeglicher Art, wenn sie in seiner Stadt eröffnet werden. Erst recht dann, wenn sie eine Vielzahl von Menschen erreichen. Das ist bei der Moschee al-Fath in der 53.000-Einwohner-Stadt Fréjus definitiv der Fall. Doch zur neuen Moschee traut er sich leider nicht, der David Rachline. Mit seinen erst 28 Jahren ist Rachline nun bereits fast zwei Jahre lang Bürgermeister der idyllischen Stadt am Mittelmeer. Und auch nach der Eröffnung der Moschee gibt sich Rachline kämpferisch – er und seine Partei gehen weiter gegen die Moschee vor. Natürlich gehe es dem Anhänger der rechtspopulistischen Partei „Front National“ nicht um die Kultusfreiheit. Natürlich. Vielmehr geht es Rachline, wie er selbst sagt, um „die Baugenehmigung aus dem Jahr 2011, die wir anfechten“. Denn diese sei nur auf eine betrügerische Art und Weise zustande gekommen. Außerdem verletze sie urbanistische Regeln, da sich die Moschee in einer Überschwemmungszone befindet. Ja, das ist schon richtig. Allerdings gilt genau das für die gesamte Siedlung. Aber bis jetzt hat sich dafür niemand interessiert.

„In dem Fall würde ich das Gebäude sofort schließen“

David Rachline, Bürgermeister der Stadt Fréjus, würde die Moschee al-Fath sofort schließen, sollte er recht bekommen. Foto: By Gauthier Bouchet (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

David Rachline, Bürgermeister der Stadt Fréjus, würde die Moschee al-Fath sofort schließen, sollte er recht bekommen. Foto: By Gauthier Bouchet (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Nach jahrelangem Hin und Her hat die Präfektur, also der Amtsbezirk, die „provisorische Öffnung“ der Moschee angeordnet, welche in der vergangenen Woche vollzogen wurde. Den Seitenhieb von der Linksregierung im fernen Paris kommentiert Rachline nur müde: „Das zeigt nur den Kniefall Frankreichs vor den Glaubensgemeinschaften.“ Seitdem Rachline an der Macht ist, geht es bergab mit Fréjus, das behauptet unter anderem Frankreichs ehemaliger Verteidigungsminister François Léotard (73). Lèotard, der auch mal Bürgermeister in Fréjus war, sagt über die Stadt, dass „niemand mehr mit niemandem spreche“ und daher die Gesprächskultur abhanden komme. Für Rachline trifft sich das eigentlich ganz gut. Denn der 28-jährige Anhänger des „Front National“ hat noch ein Ass im Ärmel: Erst Ende Februar möchte die Justiz im Rechtsstreit um die Moschee einen Sachentscheid treffen. Sollte Rachline recht bekommen, müsste die 1,5 Millionen teure Moschee vermutlich abgerissen werden. „In dem Fall würde ich das Gebäude sofort schließen“, so Rachline. Dann würde es, so sind sich viele Bürger in Fréjus einig, wohl „sehr übel enden“.

27. Januar 2016