Worin uns die Franzosen voraus sind

Fragt man die Deutschen, so schwärmen sie von der Lebensart der Franzosen. Doch was macht Frankreich aus? Worin sind uns die Franzosen voraus?

Fragt man die Deutschen, so schwärmen sie von der Lebensart der Franzosen. Doch was macht Frankreich aus? Worin sind uns die Franzosen voraus?

Zwar ist Spanien nach wie vor das beliebteste Auslandsziel der Deutschen, doch hat sich Frankreich inzwischen auf Platz 5 vorgekämpft. Viele Deutsche wünschen sich in ihrem Land eine ähnliche Lebensart wie in unserem Nachbarland Frankreich. Das liegt an vielen Kleinigkeiten, in denen uns die Franzosen voraus sind:

Das Essen

Natürlich ist das Niveau der Speisen auch in Deutschland enorm hoch. Doch was die Franzosen essen, gilt bei uns oft als „drüber“: Kalbsfrikasse, Couscous, Krustentiere und Muscheln stehen bei den Franzosen ganz hoch im Kurs. Wir stehen eher auf Schnitzel, Spaghetti und Co. In Frankreich wird das Essen zelebriert, man nimmt sich Zeit. Die Deutschen gehen vergleichsweise eher selten in Restaurants, bei den Franzosen gehört dies allerdings zum guten Ton: Regelmäßige Restaurantbesuche sind unverzichtbar.

Nun könnte man meinen, dass die Franzosen zum Übergewicht tendieren, so lieben sie doch das Essen. Doch insgesamt sind die Portionen in Frankreich nicht so üppig wie die in Deutschland. Und auch in Sachen Disziplin sind die Franzosen eigen: Softdrinks, Snacks, Säfte, Cocktail, Bier und Co. sind meistens tabu.

„Komm ich heut nicht, komm ich morgen“

Dieses altdeutsche Sprichwort mutet eher französisch an. Denn schließlich sind die Franzosen viel gemütlicher als wir Deutsche. Vor allem was die Pünktlichkeit betrifft, spielt die französische Unbekümmertheit eine große Rolle. Auch wenn man in diesem Fall nicht unbedingt davon reden kann, dass uns die Franzosen diesbezüglich voraus sind. Bei einer Verabredung in Frankreich ist es hilfreich, selbst fünf bis zehn Minuten zu spät zu kommen – kein Scherz! Je wichtiger das Treffen, desto pünktlicher die Franzosen. Vieles erscheint den Franzosen allerdings nicht ganz so wichtig. Geduld ist eine Tugend, eine, die in Frankreich notwendiger ist als in jedem anderen Land Europas. Dort ticken die Uhren eben anders.

Ein Küsschen zur Begrüßung

Je nach Region fällt die Begrüßung in Frankreich unterschiedlich intensiv aus.

Je nach Region fällt die Begrüßung in Frankreich unterschiedlich intensiv aus.

Ein Küsschen zur Begrüßung wird in Deutschland eher skeptisch gesehen. Kennt man sich, so erscheint es legitimer. Kennt man sich nicht, so ist der Abstand relativ groß.

Ganz anders funktioniert es in Frankreich. Das französische Begrüßungsritual ist eine Wissenschaft für sich. In der Hauptstadt Paris küsst man sich zweimal, auf dem Land dreimal und in der Provence sogar bis zu viermal. Wenn Sie denken, alle Fragen hätten sich geklärt: Falsch. Bei welcher Wange fängt man an? Meistens küsst die rechte Wange die rechte des Gegenübers.

Der Kellner ist König

In Deutschland heißt es „Der Kunde ist König“. In Frankreich ist es eher der Kellner. „Bonjour“ oder „S’il vous plaît, Monsieur“ ist okay, „garcon“ auf keinen Fall. Das findet der französische Kellner in der Regel respektlos. Er ist es, der Sie durch den Abend führt, also erwartet er Anerkennung dafür. Auch gilt es, bei der Bestellung zielstrebig zu sein und keine Zeit des Kellners zu verschwenden.

Strenge Umgangsformen

In Frankreich sind Etikette und Umgangsformen wohl ganz oben auf der Prioritätenliste. Im Restaurant weist der Ober zum Beispiel stets einen Platz zu. Die eigene Auswahl des Platzes ist nicht gewünscht. Auch Geflügel essen die Franzosen nicht wie wir Deutsche mit den Fingern, hier werden Messer und Gabel benutzt.

Franzosen sind wenig spießig: Rechnungen werden immer für den ganzen Tisch beglichen und nie getrennt bezahlt. Das Trinkgeld wird am Tisch hinterlassen, nicht mit der Rechnung „gezahlt“.

Der perfekte Look

Frankreich ist nicht nur ein Land der Gourmets, sondern auch ein Land der Mode. Ihr Ruf eilt den Franzosen voraus. Vor allem die Französinnen sind niemals durchgestylt und sehen trotzdem perfekt aus. Und das, obwohl sie sich niemals stundenlang vor den Kleiderschrank stellen würden. Der Trick ist, dass viele Französinnen Textilien mit dezenten Farben tragen, die meistens zusammenpassen. Auch beschränken sie sich stets auf ein originelles Detail und gute Schuhe. Funktionskleidung und -unterwäsche sind tabu! Angeblich geben französische Damen circa einen Fünftel ihres Bekleidungsbudgets für Unterwäsche aus. Der Mann zeigt stilvollen Mut zur Farbe.

Feiern geht immer

Der Hafen von Marseille ist eine der Top-Attraktionen in Südfrankreich.

Der Hafen von Marseille ist eine der Top-Attraktionen in Südfrankreich.

Was das Feiern betrifft, sind uns die Franzosen definitiv voraus. Sie nehmen jeden Anlass wahr, um zu feiern. Viele kleine Feste manifestieren diesen Gedanken das gesamte Jahr über. Schenken Sie Wein zu einer Party, so sollten Sie den Speiseplan kennen. Er wird nämlich der Sitte nach bereits zum Essen geöffnet.

Das Wetter und das Meer

Der wichtigste Fakt vorneweg: In Frankreich ist es durchschnittlich 2,5 Grad wärmer als in Deutschland. Eigentlich könnten wir diese Kategorie direkt wieder schließen, allerdings nicht ohne das Meer zu erwähnen. Blendet man Sylt und den Tegernsee aus, dann gibt es in Frankreich garantiert die besseren Urlaubsziele: Nizza, Cannes, Saint-Tropez in der Côte d’Azur, Biarritz und Bordeaux im Westen, die Bretagne im Norden und im Osten der Mont Blanc.

18. Mai 2015