Terrorgefahr an der Côte d’Azur? Die aktuelle Lage

Dieses Restaurant in Nizza wurde geschlossen, da der Besitzer radikalisiert sein soll.

Nach der Verlängerung des Ausnahmezustandes durch den französischen Präsidenten François Hollande stehen auch Provence und Côte d’Azur nach wie vor Kopf.

Nachdem sich die Hausdurchsuchungen nach den Terroranschlägen zunächst auf andere Regionen Frankreichs konzentrierten, sind nun auch erste Durchsuchungen im Süden des Landes bestätigt worden. Inzwischen sind Razzien an der Tagesordnung und auch Hausarreste wurden ausgesprochen. Der Ausnahmezustand in Frankreich ist noch bis zum 12. Februar aktiv. Damit bleiben die Rechte der Regierung erhöht und die der Bürger reduziert. Das nutzt der Staat aus und greift bei kleinsten Hinweisen zur Maßnahme Hausdurchsuchung.

Vor allem Nizza steht im Fokus der Ermittlungen. Dort sprach die Polizei seit den Anschlägen von Paris schon mehr als fünf Hausarreste aus und durchsuchte mehr als 15 Wohnungen. Eine Gebetsstätte in Drap wurde geschlossen, eine weitere in Beausoleil durchsucht. Auch in Valbonne und in La Trinité habe es Hausdurchsuchungen gegeben, berichtet die „Riviera Côte d’Azur Zeitung“.

Restaurant in Nizza geschlossen

In der Innenstadt von Nizza wurde der Snack-Shop „La Nosra“ in der Rue Assalit geschlossen, da der Besitzer radikalisiert sein soll. Am Anfang des Jahres wurde er zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, da er gemeinsam mit zwei weiteren Tätern einen aus Tunesien stammenden Bäcker bedroht hatte, weil er Schinken und Alkohol verkaufte.

Dass die Nerven bei den Behörden und der Polizei derzeit blank liegen, das zeigt dieser Fall: Am vergangenen Donnerstag ist ein 6-jähriges Mädchen von Splittern verletzt worden. Ihr Vater soll zu Boden geworfen und in Handschellen fixiert worden sein. Die Polizei gab später zu, die falsche Wohnung durchsucht zu haben.

Auch die Hotels der Provence und der Côte d’Azur stehen unter Druck. Sie befürchten, dass Reisende aufgrund des lange andauernden Ausnahmezustandes erst gar nicht die Reise nach Frankreich antreten.

Sogar die Annullierung des Karnevals in Nizza, der am 13. Februar beginnen soll, steht im Raum. Erst 2014 wurde in diesem Rahmen ein Attentat vereitelt, weshalb das Risiko in diesem Jahr zu hoch sein soll. Erst Monate später drangen die Anschlagspläne damals an die Öffentlichkeit.

Gerüchteküche und Falschmeldungen

Bereits seit den Terroranschlägen auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Nun, nach den Paris-Anschlägen, herrscht der Ausnahmezustand.

Bereits seit den Terroranschlägen auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Nun, nach den Paris-Anschlägen, herrscht der Ausnahmezustand.

Die Gerüchteküche brodelt: „Nach Informationen eines befreundeten Polizisten wurden bei überwachten Personen Anschlagspläne für das Cap3000, Nice Etoile und Polygone Riviera gefunden“, hieß es in einem Beitrag auf Twitter. Die von offizieller Seite zurückgewiesene Mitteilung wurde auch von den Betreibern großer Shopping-Malls dementiert: Zum einen würden derzeit alle Besucher an den Eingängen kontrolliert, zum anderen arbeite man sehr eng mit den Behörden zusammen.

Immer wieder sorgen allerdings auch Falschmeldungen für Aufregung. Am Sonntagmorgen um 6:55 Uhr wurden zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren am Hauptbahnhof in Nizza festgenommen. Sie waren in Biot in einen Zug gestiegen, haben das Mikrofon des Schaffners genommen und durchgesagt, dass sich eine Bombe im Zug befinden würde. In Cannes gab es eine Bombendrohung am Hauptbahnhof. Dort wurde der Bahnhof evakuiert und der Zugverkehr unterbrochen. Letztlich konnten allerdings keine gefährlichen Gegenstände gefunden werden. Laut „Nice Matin“ sind in den letzten zwei Jahren 55 Bewohner der Côte d’Azur in den „Dschihad“ gezogen sein, darunter 18 Minderjährige. Stimmen die Zahlen, dann wären zehn Prozent der mit dem Dschihad in Verbindung stehenden Franzosen aus dem Département Alpes-Maritimes.

23. November 2015