Regionalwahlen: Provence und Côte d’Azur atmen auf

Auch wenn es nach dem ersten Wahlgang danach aussah, hat der rechtspopulistische „Front National“ keinen einzigen Wahlkreis in Frankreich gewonnen. Das Land atmet auf.

Auch wenn es nach dem ersten Wahlgang danach aussah, hat der rechtspopulistische „Front National“ keinen einzigen Wahlkreis in Frankreich gewonnen. Das Land atmet auf.

Nach dem ersten Wahlgang am 6. Dezember stockte vielen Franzosen der Atem. In sechs von 13 Regionen lag die rechtspopulistische Partei „Front National“ vorne. Doch zum Glück drehte der zweite Wahlgang am 13. Dezember die Sachlage: Marine Le Pen und ihre „Front National“ gewannen keinen einzigen Wahlkreis in Frankreich. Es war die erste Wahl nach den Terroranschlägen vom 13. November und die letzte vor der Präsidentschaftswahl im Jahre 2017. Die diesjährige Regionalwahl war notwendig geworden, da Präsident François Hollande die Zahl der Regionen im Kernland von bisher 22 auf 13 verringerte.

Sozialisten zogen ihre chancenlose Liste zurück

Die „Front National“ bleibt – und das ist die gute Nachricht – lediglich eine Oppositionspartei in den französischen Regionalvertretungen. Auch die Chefin der rechtspopulistischen Partei, Marine Le Pen, musste sich in ihrer eigenen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie geschlagen geben. Mit 42,8 Prozent verlor sie gegen den konservativen Xavier Bertrand (57,2 Prozent). Landesweit landete der „Front National“ mit nur 27 Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz. Die meisten Stimmen ergatterte das konservativ-bürgerliche Lager (41 Prozent), gefolgt von dem linken Lager mit rund 30 Prozent. Während die Konservativen in sieben Regionen des Kernlandes siegten, landete die Linke in fünf Regionen vorn. Korsika sicherte sich ein unabhängiger Bewerber. Mit 58,44 Prozent lag die Wahlbeteiligung deutlich höher als im ersten Wahlgang (ca. 50 Prozent). Nach dem desaströsen ersten Wahlgang und dem zeitweisen Erfolg des „Front National“ hatten die Sozialisten ihre chancenlose Liste zurückgezogen, um die Konservativen zu stärken. Mit dieser Taktik konnte der „Front National“, zumindest vorübergehend, gestoppt werden.

 

In der Provence und der Côte d’Azur, also der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur hat Christian Estrosi, Kandidat der Partei „Les Rêpublicains“, gewonnen. Der Kandidat der konservativen Partei lag mit 54,78 Prozent vor seiner Rivalin des Front National, Marion Maréchal-Le Pen. Die Nichte von Marine Le Pen am lediglich auf 45,22 Prozent. In der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur betrug die Wahlbeteiligung 60,31 Prozent.

  • Nizza: 63,91 Prozent für Estrosi, 36,09 Prozent für Maréchal-Le Pen
  • Antibes: 60,41 Prozent für Estrosi, 39,59 Prozent für Maréchal-Le Pen
  • Cannes: 59,01 Prozent für Estrosi, 40,99 Prozent für Maréchal-Le Pen
  • Grasse: 57,32 Prozent für Estrosi, 42,68 Prozent für Maréchal-Le Pen
  • Cagnes-sur-Mer: 55,2 Prozent für Estrosi, 44,8 Prozent für Maréchal-Le Pen

„Nichts wird uns aufhalten können“

„Nichts wird uns aufhalten können“: Marine Le Pen ist sich ihrer Sache sicher. Foto: By Emmanuel d'Aubignosc (Emmanuel d'Aubignosc) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

„Nichts wird uns aufhalten können“: Marine Le Pen ist sich ihrer Sache sicher. Foto: By Emmanuel d’Aubignosc (Emmanuel d’Aubignosc) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Im Departement Var erreichte Estrosi 50,86 Prozent, Maréchal-Le Pen 49,14 Prozent. Das Department Vaucluse mit der Hauptstadt Avignon ist das einzige der sechs Departements in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, in dem der Front National vorne lag. Hier erreichte Maréchal-Le Pen 51,28 Prozent und Estrosi nur 48,72 Prozent.

Marine Le Pen, Parteichefin des „Front National“, gab sich kämpferisch. „Nichts wird uns aufhalten können“, sagte sie mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2017. Der sozialistische Premierminister Manuel Valls warnte hingegen, dass die Gefahr der Rechtspopulisten noch nicht gebannt sei. Nun müsse „schneller gehandelt werden, um schneller Ergebnisse zu bekommen“. Als Beispiele der Premierminister Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und die Ausbildung junger Menschen.

16. Dezember 2015