Opernfestival in Aix-en-Provence streicht Terror-Szenen

Beim internationalen Festival d’Aix-en-Provence griffen die Veranstalter in eine Mozart-Inszenierung des Intendanten des Münchner Residenztheaters ein. Dabei strichen sie Terror-Szenen.

Beim internationalen Festival d’Aix-en-Provence griffen die Veranstalter in eine Mozart-Inszenierung des Intendanten des Münchner Residenztheaters ein. Dabei strichen sie Terror-Szenen.

Das internationale Festival d’Aix-en-Provence trägt den vollen französischen Namen „Festival international d’art lyrique d’Aix-en-Provence“. Das seit 1948 jährlich in Aix-En-Provence stattfindende Musikfestival ist eines der größten europäischen Musikfestspiele. Der Höhepunkt des alljährlich im Sommer stattfindenden Festivals sind die Opern von Mozart. Einer solchen widmete sich in diesem Jahr der Intendant des Münchner Residenztheaters. Allerdings griff der Veranstalter arg in das Stück von Martin Kusej ein und strich Terror-Szenen. Regisseur Kusej reagierte verärgert: „Das sind schon deutliche Eingriffe, die meine Inszenierung entschärfen und sie insgesamt auf ein gut konsumierbares Niveau herunterpegeln“, teilte Kusej kurz vor der Premiere am vergangenen Freitagabend mit. Aus der Mozart-Inszenierung wurden Anspielungen auf den islamistischen Terror gestrichen. Anlass dafür war der Anschlag von Lyon.

Zensur oder Reife?

Kusej wollte zum Ende der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ in blutige Fetzen gewickelte Köpfe enthaupteter Gefangener darstellen. Nun spricht er von Zensur. Für Festivalchef Bernard Foccroulle hat der Eingriff hingegen nichts mit Zensur zu tun: „Das ist keine Zensur, das ist Reife.“ Er begründete die Entscheidung damit, dass ihm Anspielungen auf die Terrormiliz Islamischer Staat derzeit nicht sachdienlich erschienen. Man wollte keine Bilder aus ihrem Kontext gelöst im Internet wiederfinden. Martin Kusej bemerkte indes, dass man sich mit einer solchen Entscheidung zur Geisel der Ikonographie des Terrorismus mache. Mit dem Ende seiner Oper wolle er zeigen, wie Terrorismus jegliche positive Utopien zerstöre.

Sicherlich gibt es hier zwei Meinungen. Auf der einen Seite die, die blutige und an Terror erinnernde Szenen derzeit, ja vielleicht gar nicht sehen wollen. Auf der anderen Seite die, welche ungetrübte Opern lieben. Aber wahrscheinlich ist die Veränderung der Oper kein angemessenes Mittel, um auf die aktuelle, schwierige Situation der Franzosen zu reagieren.

6. Juli 2015