Le Club 55 bei St. Tropez – das berühmteste Strandlokal der Welt

Über 60 Jahre nachdem die Eltern von Patrice de Colmont das 'Le Club 55' gründeten, ist das Strandlokal an der Côte d'Azur das wohl berühmteste der Welt.

Le Club 55 ist das berühmteste Strandlokal der Welt und untrennbar mit Saint-Tropez verbunden, auch wenn der Strand Plage de Pampellone genau genommen auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Ramatuelle liegt. Und seine Entstehungsgeschichte ist nicht minder legendär, als der Club heute. Denn eigentlich landete die Familie von Patrice de Colmont ganz zufällig in Saint-Tropez, als sie dort beruflich für längere Zeit Station machen musste.

Damals nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dort noch keine Küstenstraße, keine Steinhäuser und schon gar keine Liegestuhlverleiher und Strandhändler, es war mehr oder weniger Niemandsland. Diese Abgeschiedenheit gefiel der Familie und so kaufte man sich mit Geld aus einer Erbschaft schließlich ein Stück Land und baute 1953 drei Hütten darauf, eine für die Eltern, eine für die Söhne und eine als Familienküche. Strom und Wasser hatten die Aussteiger damals noch nicht, wohl aber häufig Besuch, der sich auf dem großen Holztisch vor der Hütte niederließ und immer öfter kamen Menschen hinzu, die das Heim der Familie für ein Bistro hielten.

Eines Tages war auch ein Filmteam darunter, das das vermeintliche Lokal für drei Wochen buchte und mit 80 Mann anreiste, die Madame de Colmont zu verpflegen hatte. Damals hatte sie nur einen Gaskocher zur Verfügung und so kochte sie die Mahlzeiten im großen Ofen der Bäckerei vor Ort und drei Wochen lang merkte niemand, dass man eigentlich das Privatquartier einer Familie angemietet hatte. Das Filmteam, über das wir hier sprechen, war das, das dort „…und immer lockt das Weib“ mit der einzigartigen Brigitte Bardot drehte und der Rest ist Geschichte…

Man meldete einen Betrieb für Strandgastronomie an, benannte das Lokal nach dem Gründungsjahr „Le Club 55“ und die Schauspieler kamen auch noch lange nach dem Dreh immer wieder zurück und brachten ihre Freunde mit. Das einstige Aussiedler-Idyll wurde zur Goldgrube.

Egal ob Clint Eastwood, Paul McCartney, Bill Gates, Bruce Willis, George Clooney oder Mike Tyson. Den „Le Club 55“ besuchte schon alles was Rang und Namen hat.Doch was direkt auffällt, ist: Hier fällt niemand auf. Die blau-weiße Standkleidung der Mitarbeiter, welche alle schon seit vielen Jahren hier tätig sind, ist bewusst schlicht gehalten. Patrice de Colmont, Besitzer des Lokals, möchte das so. Schon immer war das Publikum im „Le Club 55“ gemischt, schon immer war hier jeder gleich. Die Bodenständigkeit des Restaurants zeigt auch seine Geschichte: „Das ist der Platz, den wir immer gesucht haben. Lasst uns einfach bleiben“, sagte der Vater von de Colmont, als seine Familie nach einem Bootsunfall ein Stück Land fand. Damals war Patrice de Colmont noch ein Kind. „Ohne irgendjemandem, nicht einmal meiner Mutter, ein Wort zu sagen, kaufte er dieses Strandstück. Damals war das hier wie am Ende der Welt“, so de Colmont.

Der Film „Und immer lockt das Weib“ gab den Startschuss

Als das Filmteam von 'Und immer lockt das Weib' im Jahr 1955 bei den Colmonts zu Gast war, wurde das 'Le Club 55" geboren.

Als das Filmteam von ‚Und immer lockt das Weib‘ im Jahr 1955 bei den Colmonts zu Gast war, wurde das ‚Le Club 55″ geboren.

Sie kauften das Stück Land inmitten der Dünen und bauten drei kleine Hütten. Das war 1953. Der Vater von Patrice baute eine Holzhütte, wo die Familie ohne fließendes Wasser oder elektrisches Licht lebte und Freunde und gelegentliche Gäste mit einfachen Gerichten versorgte. Nun, über 60 Jahre später ist das daraus gewordene Restaurant „Le Club 55“ das wohl berühmteste seiner Zunft. „Meine Eltern wollten die Gastfreundschaft leben, die sie hier und anderswo in der Welt selbst erfahren hatten“, erzählt Patrice de Colmont. „Das sprach sich herum.“

Als 1955 der Film „Und immer lockt das Weib“ gedreht wurde, war das heutige „Le Club 55“ sehr wichtig für den Film. Mit dabei waren unter anderem Brigitte Bardot, Curd Jürgens und Jean-Louis Trintignant. Regisseur Roger Vadim fuhr zufällig an der Hütte der Colmonts vorbei, ging davon aus es sei eine Strandbar und fragte Madame de Colmont, ob sie das Filmteam versorgen könnte. „Wie viele seid ihr?“ – „80.“ – „Aber selbstverständlich!“ Daraufhin folgten Schriftsteller, Künstler, Schauspieler und Musiker dem Ruf ins Gelobte Land der Colmonts.

Bodenständig ist das Lokal, mal abgesehen von der Speisekarte

Das Jahr 1955 trug den Mythos von St. Tropez um die Welt und ist gleichzeitig das offizielle Gründungsjahr des Lokals. 55 also wegen des Gründungsjahres. Und „Club“? Club deshalb, weil sich Vater Bernard von gängigen Konventionen abgrenzen wollte. Bis heute lebt die Bodenständigkeit im „Le Club 55“ – mal abgesehen von der Speisekarte. Denn da fällt tatsächlich etwas auf: Die Preise. Der Salade Niçoise kostet 19, das Omelett 22, das Rinderfilet 36 und die Dorade 56 Euro.

Dabei liegt das Lokal gar nicht in St. Tropez, sondern befindet sich einige Meter entfernt am Pampelonne-Strand im Bergdorf Ramatuelle. Doch auch hier ist das Publikum groß: Zwischen 800 und 1.000 Teller verlassen die Küche von Chefkoch Laurent Bertolotto pro Tag – zumindest in der Hochsaison. An der Speisekarte hat er übrigens schon ewig nichts geändert: „Es geht nicht um meine Handschrift, sondern um die des Clubs. Und die bleibt, wie sie ist.“ Wer die Exklusivität des Restaurants „Le Club 55“ genießen möchte, der sollte weit im Voraus reservieren. Denn hier ist es meist rappelvoll. Schließlich hat der Laden auch nur von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Warum nicht auch abends? „Das geht nicht. Das schafft keiner“, sagt der Chef. Auch für den Chef sind die sieben Stunden nicht immer einfach. Patrice de Colmont ist das Aushängeschild des „Le Club 55“. Er begrüßt jeden, übersieht niemanden, er umarmt, drückt die Hand, setzt sich zu den Gästen und betreibt Smalltalk. Ob er das jedes Mal so macht? „Willkommen ist jeder – das erste Mal. Danach sehen wir weiter…“

26. August 2014