An der Côte d’Azur regiert ein Rechtsextremer

Die Kommunalwahlen in Frankreich sind entschieden: Im beschaulichen Fréjus gewann die Front National, eine von den meisten Beobachtern als rechtsextrem charakterisierte Partei. Und mit ihr der 26-jährige David Rachline. Foto: Wikipedia

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Die Kommunalwahlen in Frankreich sind entschieden: Im beschaulichen Fréjus gewann die Front National, eine von den meisten Beobachtern als rechtsextrem charakterisierte Partei. Und mit ihr der 26-jährige David Rachline.

Fréjus ist ein malerischer Flecken an der Côte d’Azur. Doch vielleicht ist es mit der Idylle schon bald vorbei. Denn der bisherige Bürgermeister Élie Brun wurde nach 17 Jahren Amtszeit abgewählt. Sein Nachfolger wird der erst 26-jährige Kandidat der rechtsextremen Partei Front National, David Rachline. Doch wie kam es dazu? Bereits ein paar Monate vor der Wahl wurde der langjährige Bürgermeister Brun wegen einer Korruptionsaffäre zu einer Geldstrafe und fünf Jahren Unwählbarkeit verurteilt. Er ging dagegen in Berufung und konnte sich deshalb trotzdem zur Wiederwahl stellen, da das Urteil durch die Berufung bis zum nächsten Prozess nicht rechtskräftig wurde. Doch die Mitte-Rechts-Partei UMP entzog Brun die Unterstützung und stellte einen Gegenkandidaten auf: den früheren stellvertretenden Bürgermeister Philippe Mougin. Dazu kam noch eine weitere Liste des ehemaligen Büroleiters Bruns, Philippe Michel. Das heißt, die UMP, welche die letzte Kommunalwahl 2008 souverän mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, war diesmal zersplittert. Brun dachte jedoch nicht daran abzudanken und führte eine Liste namens „Verschiedene Rechte“ ins Feld.

Die französische Stadt Fréjus wählt traditionell rechts. Unter den 53.000 Einwohnern der Garnisonsstadt sind viele pensionierte Offiziere, Rentner und Algerien-Franzosen.

Im ersten Wahlgang der kürzlich beendeten Kommunalwahl erhielt keine Partei die absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang hingegen reicht eine einfache Mehrheit zum Sieg aus. Hier gewann David Rachline mit 45,55 Prozent vor Philippe Mougin (30,43 Prozent) und Elie Brun (24,01 Prozent). Beide UMP-Listen hätten gemeinsam eine klare Mehrheit gehabt, da sie sich aber nicht auf eine Zusammenarbeit einigen konnten, verloren beide. Da das Wahlsystem dem Gewinner Bonus-Sitze zuteilt, erhält die Front National 33 von 45 Sitzen im Gemeinderat. Somit ist der 26-jährige David Rachline, gegen den es bereits eine Demonstration auf dem Rathausplatz gab, nun der neue Bürgermeister von Fréjus.

Der im Jahre 1987 in Saint-Raphaël geborene David Rachline brach seine Ausbildung bereits im Alter von 18 Jahren ab, um sich ganz der Politik zu widmen. In den vergangenen Jahren war er als Berater der Parteivorsitzenden Marine Le Pen tätig. Seit 2010 ist er auch Mitglied im Regionalparlament der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur.

Der Front National gibt sich seit der Ablösung von Jean-Marie Le Pen als Vorsitzendem durch seine Tochter größte Mühe, öffentlich nicht mehr unangenehm rechtsextrem aufzufallen. Rachline war früh ein Fan von Jean-Marie Le Pen, der einst den Holocaust zu einem „Detail der Geschichte“ erklärte und unlängst noch scherzte, Roma „stehlen natürlich wie Vögel“. Und auch Rachline hält sich mit flotten Sprüchen nicht zurück: „Das Programm meiner Gegner besteht allein darin, dass sie David Rachline schlagen wollen„, sagt Rachline. „Ansonsten haben sie nichts mehr anzubieten.“ Ach, und seine Ziele? Rachline ist gegen die Förderung eines Moscheebaus im vor allem von Muslimen bewohnten Stadtteil La Gabelle. Auch sollen jene Roma-Lager aufgelöst werden, die sich am Rande von Fréjus an der Grenze nach Saint-Aygulf gebildet haben. Natürlich müsse man auch gegen die allgemeine Unsicherheit etwas tun und mehr Polizisten einstellen.

15. April 2014